VORWORT
Über meine Motive
Eine zufällige Konfrontation mit kreationistischem Gedankengut veranlasste mich vor einiger Zeit, mich intensiver mit naturwissenschaftlichen Themen zu befassen. Wie werden Erkenntnisse in der Naturwissenschaft gewonnen und verifiziert? Wie aussagekräftig sind die Theorien, wie hart die Fakten und Befunde? Wie groß ist der Spielraum für abweichende (insbesondere religiös-spirituelle) Deutungsmuster?
Über die Bedeutung der Wissenschaft
Die meisten von uns werden darin übereinstimmen, dass die Bemühungen der Wissenschaft, gesicherte Erkenntnisse über die Welt und die Natur(-gesetze) zu gewinnen und diese auch in technologische Anwendungen zu überführen, sowohl grundsätzlich möglich als auch zu unserem Vorteil sind!
Viele Regeln, Zusammenhänge und Gesetzmäßigkeiten können unzweifelhaft und eindeutig erkannt werden, etwa wenn es um mathematische Empirie geht (denken wir z.B. an den Beweis über die Winkelsumme von 180° in jedem beliebigen Dreieck, mit dem die meisten von uns irgendwann im Schulunterricht konfrontiert wurden)!
Natürlich gibt es auch Dinge auf der Welt, die sich nicht unbedingt in mathematischen Sätzen und Definitionen fassen oder sich völlig interpretationsunabhängig in uneingeschränkt vollständiger und widerspruchsfreier Weise beschreiben lassen.
Es gibt „Grenzbereiche“ (z.B. in Astronomie und Quantenphysik), in denen gesicherte Erkenntnisse, jedenfalls vorläufig – teilweise vielleicht auch dauerhaft, nur noch begrenzt verfüg- bzw. eruierbar sind.
Die Grenzen des Wissens (und des Beweisbaren) sind natürlich keinesfalls statisch! In der Antike stand hinter jeder Wasserquelle eine übernatürliche Gottheit als angenommene Ursache.
Albert Einstein war seinerzeit überzeugt, man könne die interstellaren Gravitationswellen (von deren Existenz er aus rein mathematisch-theoretischen Gründen felsenfest überzeugt war) niemals empirisch nachweisen, da eine derart sensible Messtechnik (für immer) fernab der menschlichen Möglichkeiten läge. Er irrte sich, wie wir heute wissen. Selbst er als Jahrhundert-Genie vermochte manche Dinge auch „nur“ durch die Brille eines Menschen des frühen 20. Jahrhunderts wahrzunehmen.
Die gegenwärtig noch größte klaffende Wunde im naturwissenschaftlichen Gesamtverständnis der Welt besteht in der einstweiligen Unvereinbarkeit von allgemeiner Relativitätstheorie und Quantenmechanik. Die Suche nach der „Weltformel“ (eine falsifizierbare Beschreibung der Gravitation auf Quantenebene) muss weiterhin als ergebnisoffen erachtet werden, wobei sich verheißungsvolle Theorien und (vorerst noch nicht oder nur eingeschränkt umsetzbare) experimentelle Ansätze abzeichnen. Hinter dem Unverstandenen und Unbekannten das Göttliche und Übernatürliche zu verorten, war über Jahrtausende hinweg Usus, entspricht heute (aus vermutlich eher treffenden Gründen) aber nicht mehr dem Zeitgeist.
Vergangene und gegenwärtige Konflikte
Der „Ur-Konflikt“ schlechthin: Religion und Wissenschaft:
Dieser traditionelle Urkonflikt nistet im Spannungsfeld aus Wissen, Nichtwissen und Glauben. Er basiert auf den unvermeidlichen Diskrepanzen zwischen jenen, die nicht alles wissen (können) und jenen, die nichts von dem, was sie (zu wissen) glauben, beweisen können. Dieser Konflikt ist und wird zwar niemals beendet, läuft gegenwärtig aber eher beiläufig und hintergründig, vor allem aber i.d.R. unblutig ab. Niemand muss den Scheiterhaufen fürchten. Auch hat die Existenz der beiden Lager (der „Gläubigen“ und der „Wissenschaftlich-Rationalen“) keine zwingend negativen Auswirkungen auf das gesellschaftliche Miteinander, sofern das Zauberwort „Toleranz“ hinlängliche Beachtung findet! Mitunter kommt es zu originellen Situationen mit Streitpotential, wenn ein grundsätzlich wissenschaftlicher Sachverhalt mit religiösen Narrativen durchmengt oder religiöse Fundamentalisten (allen voran die „Kreationisten“) mit pseudo-wissenschaftlichen Argumenten gegen die Evolutionstheorie polemisieren.
Ein neuer Konflikt: Wissenschaft, Politik und Gesellschaft im Spannungsfeld gegenseitigen Misstrauens:
Die 2020-er Jahre werden ziemlich sicher besondere Erwähnung in den Geschichtsbüchern der Zukunft finden! Gewaltige technologische Durchbrüche zeichnen sich ab! Quantencomputer und Kernfusion nähern sich, so scheint es derzeit zumindest, dem Bereich praktischer Anwendbarkeit. Dem Mikrokosmos werden bis hinunter auf die geringstmöglichen zeitlichen und räumlichen Maßstäbe zunehmend die Geheimnisse entrissen. Neuartige Halbleitermaterialen, photonische und neuromorphe Computerchips treten in Erscheinung. Die künstliche Intelligenz (KI) demonstriert nach einem jahrzehntelangen, von Stagnation geprägten „KI-Winter“, erstmals wirkungsmächtige Anwendungen und Funktionen!
Verrückterweise erleben wir aber ausgerechnet jetzt einen gesellschaftlichen Wandel, der sich neben der Abkehr von etablierten Normen und Werten und einer Zunahme des politischen Extremismus auch in einer unsachlichen, destruktiven Wissenschaftskritik und -skepsis äußert!
Corona und Klimawandel: der Scheidepunkt der Geister!
Das Corona-Virus tauchte überraschend auf und wurde, wie man zurückblickend feststellen kann, in seiner Gefährlichkeit zunächst stark überschätzt! Die gravierenden politischen Eingriffe in die Rechte und Freiheiten der Bürger erzeugten große Wut und Unverständnis! Manche meinen einen „Komplott“ aus Wissenschaft und Politik zu erkennen, der den Weg zu einem Überwachungsstaat ebnen soll?!
Auch der Klimawandel ist ein Thema, das Wissenschaft, Politik und Gesellschaft gleichermaßen durchdringt und spaltet. Auch hier gibt es Kritik und Missverständnisse, gekoppelt mit dem Empfinden, die Politik versuche, die (kollaborationsbereite – ideologisch indoktrinierte) Wissenschaft dabei als Vorwand nutzend, unangemessene Forderungen und Einschränkungen zu erpressen?!
Ohne in Abrede zu stellen, dass in Bezug auf diese Reizthemen (auch) schlechte und schlecht kommunizierte Politik betrieben wurde, sind diese „bauchgefühlten“ Narrative weder zutreffend noch unbedenklich!
Ein gewisses Maß an Unzufriedenheit und Skepsis ist immer, auch fernab jeglicher Krisen, unvermeidbar! Die Gründe sind teilweise einfach. Verschiedene Menschen haben verschiedene Bedürfnisse, Ansichten, Überzeugungen und Vorstellungen, wie gewisse Ziele zu erreichen sind.
Wir brauchen uns nichts vormachen- wir werden niemals in einem Paradies leben! Das große, übergeordnete Ziel jeglicher Politik (ob Diktatur oder Demokratie) liegt im (temporären bzw. ohnehin nicht dauerhaft möglichen) Bewahren oder Erreichen von Stabilität, im Ausbalancieren einer nicht reduzierbaren Mindestmenge an Prioritäten, die stets neu gewichtet werden müssen, um das geringste Übel oder den relativ größten Erfolg zu realisieren. Das Ganze vollzieht sich i.d.R. vor dem Hintergrund einer gewissen Unwägbarkeit und Unvollständigkeit an Informationen – insbesondere im Angesicht von Krisen!
Auch Ziel und Zweck der Wissenschaft werden gerne und oft mit einer gewissen zynischen Bosheit falsch aufgefasst! Das übergeordnete Ziel besteht darin, unter bestmöglichem Einsatz aller technologischen und intellektuellen Ressourcen die größtmögliche Menge an authentischer Information, an Wissen und Erkenntnis über unsere Welt zu erlangen! Seriöse Wissenschaft ist selbstkritisch und distanziert sich, wenn geboten, auch von vormals als gesichert erachteten Erkenntnissen, wenn sich bessere abzeichnen!
Wir sollten dabei nicht übersehen, wie weitreichend die naturwissenschaftlichen Erkenntnisse gerade im physikalisch- chemisch- und biologischen Bereich vorangeschritten sind! Heute noch die Evolutionstheorie zu leugnen ist schlichtweg unseriös, so als wollte man einen Kreis ohne Radius oder ein Dreieck mit abweichender Winkelsumme finden!
Unfehlbarkeit und Vollkommenheit indes sind aber Domänen der Religion. Wer diese Attribute einfordert, muss sich wohl oder übel an das von Vielen angenommene übernatürliche Gottwesen * halten (und selbst hier könnte man böse oder „ketzerisch“ fragen: weiß oder merkt Gott überhaupt, wenn ihm ein Fehler unterläuft? Und würde er einen Fehler zugeben bzw. ihn sich zumindest selbst eingestehen?!).
*)= politische Extremisten und Demagogen, ebenso Verschwörungstheoretiker, sind hierfür natürlich ebenfalls geeignete Ansprechpartner! Die wissen im Zweifelsfall mehr als Gott, nur mit der Allmacht hapert es ein wenig.
Politischer Erfolg ist nicht zwingend und in jedem Fall objektiv feststellbar! Das Ergebnis einer politischen Maßnahme kann mit dem angestrebten Ziel übereinstimmen, also scheinbar richtig sein. Ist die Wirkung nun aber tatsächlich eingetreten, weil die richtige Maßnahme ergriffen wurde, oder trat sie ein, obwohl bzw. trotzdem eigentlich das Falsche gemacht wurde? Und ist das Eintreten einer negativen, unerwünschten Wirkung tatsächlich schlecht oder nicht womöglich eben doch gut, weil es andernfalls viel schlimmer gekommen wäre (das „kleinste“ oder „kleinere Übel“ kann bisweilen auch den Erfolg charakterisieren)?!
Über „vollendete Erkenntnis“ in der Wissenschaft ist bisweilen ähnlich schwer zu urteilen! Über das Licht weiß man gegenwärtig mit Sicherheit verdammt viel! Einzelne Photonen können detektiert, einzeln generiert und manipuliert werden! Man kann sie „einfangen“, „fixieren“ und als Recheneinheiten (Q-Bits) nutzen! Was hätten bspw. wohl Pythagoras, Sokrates oder Aristoteles davon gehalten?! Ich könnte mir vorstellen, sie hätten bezweifelt, ob ihre eigenen Götter (einschließlich Zeus) überhaupt dazu in der Lage gewesen wären (davon abgesehen, dass sie natürlich nichts über den Wellen-Teilchen-Dualismus der elektromagnetischen Strahlung und folglich auch nichts von einem Photon wissen konnten)?! Aber weiß man heute wirklich „alles“ über das Licht?! Wie will man das beurteilen? Selbst wenn wir 500 Jahre in die Zukunft reisen und vorhersehen könnten, was die Physiker im Jahr 2525 über das Licht wissen, wäre deswegen immer noch nicht geklärt, ob dieses Wissen einfach nur „mehr Wissen“ oder „vollendetes Wissen“ ist!
Manchmal ringen Politik und Wissenschaft mit sehr ähnlich gelagerten Problemen. Eine immer wieder auftauchende Frage lautet: „Kausalität oder Ko-Inzidenz“? Ein überspitztes Beispiel: in einer Region steigt gleichzeitig sowohl die Storchenpopulation als auch die Geburtenrate der menschlichen Bewohner. Gibt es mehr Neugeborene, weil mehr Störche eben mehr Kinder bringen (das wäre Kausalität, also ein Ursache-Wirkungs-Zusammenhang) oder hat beides nichts miteinander zu tun (das wäre Ko-Inzidenz, also ein zufälliges gleichzeitiges Erscheinen)?! Skeptiker, die den menschlichen Einfluss am Klimawandel abstreiten, betrachten in ihrer Argumentation oft nur die beiden Aspekte des erwiesenermaßen stark gestiegenen atmosphärischen Kohlendioxidanteils und der seit dem Industriezeitalter ebenfalls nachweislich deutlich gestiegenen mittleren Temperaturen, und sprechen von einer Ko-Inzidenz! Dazu ignorieren sie eine Reihe weiterer Aspekte, die Hinweise auf einen kausalen Zusammenhang liefern. An dieser Stelle näher darauf einzugehen, entspräche nicht dem Zweck und Umfang eines Vorworts. Aber es liefert die richtigen Stichpunkte für eine anderweitige grundsätzliche Problematik:
Diese besteht in der Frage: Linearität oder Komplexität? Beschreibt eine erkannte Ursache-Wirkungs-Beziehung den Sachverhalt vollständig? Ist die als richtig erkannte Ursache auch tatsächlich die Einzige oder ist sie nur ein Nebenfaktor in einem real viel komplexeren Mengengelage?!
Nicht immer eindeutig zu klären ist zudem die Frage nach Widersprüchlichkeit und Vereinbarkeit. Osten und Westen sind verschiedene Richtungen. Gehe ich aber weit genug nach Osten komme ich irgendwann auch nach Westen, da die Welt eine Kugel ist! In der Politik zeigen sich derart geartete Probleme z.B. in der Fragestellung, ob man die Wirtschaft stärken oder die Sozialleistungen erhöhen soll, um den Gesamt-Lebensstandard zu erhöhen. Grundsätzlich widersprechen sich die Ziele! Theoretisch könnte das Eine aber auch indirekt zum andern führen, etwa wenn eine gesteigerte Wirtschaftsleistung über höhere Steuereinnahmen die staatlichen Möglichkeiten erhöht, Transferleistungen zu zahlen.
Nicht nur die Art der Probleme, auch die Strategien politischer und wissenschaftlicher Agitation haben eine gewisse Schnittmenge! Am Beginn einer Krise, am Beginn der Suche nach einer gesicherten Erkenntnis oder einer geeigneten Maßnahme stehen zunächst einmal schlichte Vermutungen. Keine Dogmen wie sie in Religion und Verschwörungstheorien üblich sind (und als unangreifbar gelten, umso mehr, je weniger bewiesen oder beweisbar sie sind), sondern Vermutungen! Diese wägt man gegeneinander ab, prüft sie sowohl auf selbstbezügliche Stimmigkeit als auch auf Schwächen und Vorzüge gegenüber anderweitigen Vermutungen. Irgendwann kommt man auf einen „Trichter“, man stößt auf erste Fakten oder Indizien. Wenn sich genügend davon verdichten, hat man irgendwann eine Hypothese, also eine starke, belastbare Vermutung. Gelingt es nun diese Hypothese zu falsifizieren (in der Wissenschaft etwa durch Experimente, die darauf abzielen, eine vormals geäußerte theoretische Vorhersage zu bestätigen oder zu widerlegen) findet man also Beweise, so hat man am Ende eine Theorie, die unter den gegebenen Umständen und Bedingungen als richtig und wahr zu erachten ist.
Die Reizthemen Corona und Klimawandel stellen einen Paradigmenwechsel in der öffentlichen Wahrnehmung von Politik und Wissenschaft und dem Grad ihrer angeblichen oder realen Verflechtung dar! Selbstverständlich stehen diese Domänen tatsächlich in Verbindung, in aller Regel wohl aber nicht auf verschwörerisch-konspirative Art! Forschung erfordert (auch) Geld und der Staat fördert bzw. investiert in die Forschung. Umgekehrt ist er auf wissenschaftliche Erkenntnisse und Fortschritte um seiner Selbstorganisation willen angewiesen, ebenso die Wirtschaft, die ja mit besseren Methoden bessere Produkte herstellen will. Und ja, sicher sind bisweilen auch Irrwege, falsche Strategien und Unregelmäßigkeiten im Spiel. Die extrem hochtechnisierte Welt, in der wir leben, widerspricht aber der Annahme, sämtliche politischen, wissenschaftlichen und auch wirtschaftlichen Entwicklungen der Jahrtausende, seit denen es eine menschliche Zivilisation gibt, wären falsch und unbrauchbar gewesen!
Anteile der Bevölkerung reagieren als Folge der Corona- und Klimakrise und der damit einhergehenden staatlichen Maßregelungen (ob man diese nun als übertrieben befinden will oder nicht) regelrecht irrational! Querdenker, Reichsbürger, Flacherdler (!!!), „Deep-State-Verfechter“ und dgl. mehr verzetteln sich in hanebüchenen, contra-faktischen Weltanschauungen. Neben einer Ablehnung oder spitzfindigen Verdrehung von Fakten zeichnen sich die meisten dieser und ähnlicher Gruppierungen übergreifend vor allem durch Emotionalität, Radikalität und feindselige (mehr oder weniger offensichtlich rassistische und antisemitische) Schuldzuweisungen aus.
In einer gesamtpolitisch stabilen Lage sind diese Phänomene nicht zwingend besorgniserregend, so wie Erkältungsviren in einem gesunden Körper für gewöhnlich einen befristeten und begrenzten Schaden anrichten. Ich befürchte jedoch Übles, sollten in naher oder mittelfristiger Zukunft gewisse Faktoren zusammenfallen (außenpolitische Bedrohungslage, wirtschaftlicher Abschwung bei gleichzeitig beschleunigtem Verlust von Arbeitsplätzen, u.a. durch verstärkten KI-Einsatz in Industrie, Handel und Gewerbe), die den Wohlstand nachhaltig verringern und die Unzufriedenheit mehren!
Dieses sich zuspitzende Mengengelage aus Misstrauen, Skepsis, Realitätsverweigerung und der Suche nach „alternativen Wahrheiten“ (und Sündenböcken) fällt zeitlich ausgerechnet mit einer neuen, alles verändernden disruptiven Technologie zusammen, der künstlichen Intelligenz!
Ein historischer Vergleich
Die Erfindung des Buchdrucks im Jahr 1440 markierte einen Wendepunkt! Erstmals wurden Informationen und Wissen massenhaft verbreitet, vorher musste jedes Schriftstück handschriftlich hergestellt und vervielfältigt werden! Für die Menschen der Frühneuzeit entsprach der Buchdruck dem, was das Internet später für die moderne Gesellschaft bedeuten sollte! Die um 1454/55 hergestellte „Gutenberg-Bibel“ markiert symbolisch den Beginn des Zeitalters der Massenkommunikation.
Aber der Buchdruck hat mitnichten ausschließlich wertvolles, sinnstiftendes und den weiteren Fortschritt forcierendes Wissen im großen Stil verbreitet! In seine Zeit fällt auch ein extrem düsteres Kapitel der europäischen Geschichte, der Beginn des sog. „Hexenwahns“! An Hexen und Zauberer glaubten die Menschen schon in der Antike oder früher. Es handelte sich hierbei vorstellungsgemäß um „gewöhnliche“ (sterbliche) Menschen, die mit übernatürlichen Wesenheiten (unter dem Eindruck der christlichen Glaubenslehre waren dies höllische Dämonen oder gar der leibhaftige Teufel) unter freiwilliger Aufgabe ihrer Seele paktierten, um schädliche Macht über ihre Mitmenschen zu erlangen.
Aus dem vormals latent vor sich hin schwelenden, insgesamt aber nie nennenswert eskalierenden Hexenglauben, der nur sporadisch und vereinzelt Opfer in Form ungesetzlicher Lynchjustiz forderte, wurde ab ungefähr Mitte des 15. Jahrhunderts ein im Wortsinn loderndes Feuer!
Dies führen Historiker u.a. auf die sog. „kleine Eiszeit“ zurück, die bereits Ende des 13. Jahrhundert begann und im Zeitraum zwischen 1550 und 1700 ihren Scheitelpunkt erreichte. Deren Ursachen sind nicht schlussendlich geklärt. Vermutlich spielte eine Anreicherung vulkanischer Asche in der Stratosphäre dabei eine größere Rolle. Das Klima kühlte sich deutlich ab, extreme Wetterlagen häuften sich und die Lebensumstände verschlechterten sich analog zu den nachlassenden Ernteerträgen. Sündenböcke mussten gefunden werden und auf den Scheiterhaufen sterben, damit der gefühlten Ohnmacht perspektivisch entgegengewirkt war.
Ein weiterer Brandbeschleuniger dieses zur Massenhysterie anschwellenden Hexenglaubens und der damit einhergehenden, nunmehr offiziellen Strafverfolgung durch die Justiz, war eines der ersten Bücher, welches (abgesehen von der Gutenberg-Bibel) überhaupt durch die neue Erfindung des Buchdrucks massenhafte Verbreitung fand: der Hexenhammer des Inquisitors Heinrich Kramer (sein angeblicher Co-Autor Jakob Sprenger wird von der neueren Geschichtsforschung glaubhaft freigesprochen).
Analog zum Hexenhammer wurden auch fabulöse bildhafte Darstellungen des Hexerei-Verbrechens auf Flugblättern (ebenfalls über die Technik des Buchdrucks) verbreitet, um auch den Analphabeten jener Zeit (sie bildeten unzweifelhaft die absolute Mehrheit!) Teilhabe an den „Fake-News“ der Frühneuzeit einzuräumen.
Gegenwärtig verändert die KI die mediale Landschaft, die Informationsverarbeitung und -verbreitung in extremer Weise. Und wie damals schon der Buchdruck, so wird gegenwärtig auch die KI missbraucht, um Fake News, „alternative Fakten“, bösartig- feindselige Narrative und dgl. massenhaft, vor allem über die Kanäle der (a)-sozialen Medien, zu streuen. Und beeindruckender Weise geht es heute, wie auch schon zu Zeiten des Hexenwahns, ebenfalls abstrakt ums Wetter bzw. ums Klima!
Was (nach Lesart der Inquisitoren) eine richtige Hexe oder ein richtiger Zauberer war, musste unter allen bekannten Formen der „Schadenzauberei“ (jedem Todesurteil wegen angeblicher Hexerei ging dieses obligatorische, i.d.R. durch Folter erpresste Geständnis voraus) insbesondere den Wetterzauber wie das 1 mal 1 beherrschen!
Der „Wahn“ unserer nicht allzu fernen Vorfahren aus der Frühneuzeit bestand darin, menschlichen Einzelpersonen die Fähigkeit der Wettermanipulation („Schadenzauberei“) zuzuschreiben.
Der „Wahn“ unserer gegenwärtigen Gesellschaft besteht darin, den mutmaßlich menschlich bedingten Anteil am Klimawandel (über massenhaft in die Atmosphäre ausgestoßene Industrieabgase, allen voran des Kohlendioxids), trotz sehr starker Indizien und Befunde zu ignorieren bzw. zu leugnen!
Kitzinger Martin
Oktober 2025

