NAHTODES – ERLEBNISSE

EIN BLICK INS JENSEITS ?

SCHNELLÜBERSICHT ZU DIESER KAPITELSEITE

* Im Augenblick des Sterbens kann es zu außergewöhnlichen Erlebnissen und Wahrnehmungen kommen, über die Menschen, die reanimiert wurden, detailliert berichten können!

* Diese Nahtod-Erlebnisse weisen immer dieselben Inhalte und Charakteristika auf, etwa einen wahrgenommenen Schwebe-Zustand, Lichttunnel-Erlebnisse und dgl. mehr!

* Mittlerweile liegen erstaunliche und gesicherte neurologische Fakten und Befunde vor, welche die mystische Natur dieser Erlebnisse und ihre angebliche Beweiskraft für ein Leben nach dem Tod in Frage, wenn nicht gar in Abrede stellen!

* Einen totalen Gegen-Beweis für die höchst unwahrscheinliche Existenz einer übernatürlichen Seele bedeuten die ernüchternden Fakten zu den Nahtodes-Erlebnissen nicht.

ARTEN UND GEMEINSAMKEITEN DER NAHTOD-ERLEBNISSE

Ungefähr ein Drittel aller Personen die schon einmal an der „Schwelle zum Tod“ standen, berichten von solchen außergewöhnlichen Wahrnehmungen. Diese sind kulturübergreifend immer sehr ähnlich und enthalten stets dieselben Kernelemente:

LICHTTUNNEL
Man hat den Eindruck, man würde sich in einem Tunnel befinden und sich (oft mit hoher Geschwindigkeit) einer Lichtquelle am Ende des Tunnels nähern.

SCHWEBEZUSTAND („OUT- OF- BODY“- ERFAHRUNG)
Der Betroffene nimmt sich schwebend wahr und sieht den eigenen Körper aus einer außerkörperlichen Perspektive unter sich liegen.

„LEBENSFILM“ und VERÄNDERTES ZEITEMPFINDEN
Sehr viele Menschen, die ein Nahtod-Erlebnis hatten berichten darüber, binnen kurzer Zeit eine Vielzahl an Szenen und Ereignissen aus ihrem eigenen Leben noch einmal wie in einer Art Film gesehen zu haben. Diese Film-Erlebnisse vollziehen sich mitunter innerhalb sehr kurzer Zeitfenster und der Betroffene erlebt dabei weitaus mehr Inhalte, als es während der kurzen Phase des Ereignisses eigentlich möglich sein sollte.

GLÜCKSGEFÜHLE
Sterbeerlebnisse werden oftmals als höchst angenehm beschrieben! Es seien Gefühle grenzenloser Leichtigkeit, einer Entrücktheit und großen Glückes festzustellen!

WAHRNEHMUNG VON LEBHAFTEN BILDERN UND SZENEN; BEGEGNUNGEN MIT MYSTISCHEN WESEN ODER VERSTORBENEN MENSCHEN
Viele „Rückkehrer“ berichten von Landschaften, Personen und Wesen, die sie gesehen haben. Hierbei scheint der kulturelle Hintergrund des Betroffenen ins Gewicht zu fallen! Je nach Religionszugehörigkeit begegnen manche Menschen bspw. Buddha oder Jesus. Als jenseitige Landschaft treten bei Europäern sehr häufig grüne Wiesen, bei US-Amerikanern hingegen häufiger ausgedehnte Mais- oder Getreidefelder in Erscheinung.

BEDINGUNGEN FÜR DAS AUFTRETEN VON NAHTOD-ERLEBNISSEN

Für das Eintreten von Nahtod-Erlebnissen sind zwei Faktoren unerlässlich:
1. Der Betroffene muss sich in der uneingeschränkten subjektiven Überzeugung der Lebensgefahr befinden! Ein Bergsteiger etwa, der ausrutscht und einige Meter in die Tiefe fällt oder purzelt ehe sich die Situation entschärft und schließlich doch noch glimpflich endet, kann solche Erlebnisse haben. Während der kurzen Zeit des dramatischen Erlebnisses kann sich ein „Lebensfilm“ oder zumindest eine lawinenartige Abfolge an inneren Bildern ereignen. Die zweite Bedingung besteht im Ausbleiben von Handlungsoptionen! Wenn etwa ein Auto auf uns zurast, werden wir wahrscheinlich kein Nahtod-Erlebnis haben, weil wir wissentlich über Handlungsoptionen verfügen. Wir erkennen die Gefahr (haben eine „Vorwarnzeit“), unser Hirn erstellt eine Prognose über Geschwindigkeit, Entfernung und dem möglichen Zeitpunkt des Aufpralls und wir können eine (wenn auch eher spontane und unbewusste) Entscheidung fällen, ob wir nach links oder rechts zur Seite springen sollen. Todkranke Menschen (etwa unheilbare Krebs-Patienten) erleben aus diesem Grund keine Nahtod-Erlebnisse. Sie haben natürlich Angst vor dem Tod, aber sie sind vorbereitet. Die Todesangst trifft auf eine bereits gelegte Spur und stellt keine Überraschung mehr dar!

WISSENSCHAFTLICHE INTERPRETATIONEN UND ERKLÄRUNGEN DER NAHTOD-ERLEBNISSE

Das Gehirn scheitert im (realen oder vermeintlichen) Angesicht des Todes daran, urplötzlich das Ende der eigenen Existenz zu verarbeiten. In seiner Not, aber auch als letzte Abwehrstrategie, gewinnen dort besondere Prozesse die Oberhand, welche diese spektakulären Wahrnehmungen erzeugen. Das Hirn ist eine Art „Zukunfts-Vorhersage-Maschine“! Es nimmt die Zukunft vorweg und gestaltet die Gegenwart auf der Grundlage von Hypothesen über kommende Ereignisse. Beim Erscheinen der unmöglichen Vorstellung „Ich sterbe jetzt“ schrumpft die Zukunft blitzschnell auf einen einzigen Augenblick zusammen und es gibt plötzlich keine weiterführende Sequenz von Ereignissen mehr! Jene Mechanismen, die unser Zeitgefühl erschaffen, können an diesem Punkt nicht mehr arbeiten. Anderweitige Prozesse hingegen, die sonst nur im Hintergrund ablaufen, machen sich nun hingegen in verstärkter Funktion bemerkbar. Die Wissenschaftler bezeichnen diesen Moment als den „Clash der Zeiten“.

Eine tragende Rolle bei solchen Erlebnissen kommt bestimmten Nervenzellen bei, die sog. „NMDA-Rezeptoren“ für die Übertragung neuronaler Signale verwenden. Diese Rezeptoren sprechen bspw. auch bei einer Narkose durch die Substanz Ketamin verstärkt an. Es ist bekannt, dass bei Ketamin-Narkosen ebenfalls Nahtod-Phänomene erlebt werden können! Aber auch Sauerstoffmangel kann über gewisse Botensubstanzen (vor allem Stickstoffmonoxid) auf die NMDA-Rezeptoren einwirken.

LEBENSFILM

Die NMDA-Rezeptoren werden im Gehirn aktiv, wenn innerhalb eines bestimmten Zeitfensters elektrische Aktivität aus verschiedenen Hirnbereichen in ihrem Neuron zusammenläuft. Diese Aktivitätsereignisse können dabei durchaus „lange“ (für die Verhältnisse von Nervenzellen) auseinander liegen. NMDA-Rezeptoren arbeiten nämlich langsamer als andere Neurotransmitter-Rezeptorsysteme. Dadurch können sie eine ganze Reihe von Ereignissen aufeinander beziehen und den üblichen Zeittakt des Gehirns durchbrechen. Auf diese Weise könnte der „Lebensfilm“ bei Nahtod-Erlebnissen zustande kommen! Das Gedächtnis wird aufgrund der übersensibilisierten NMDA-Rezeptoren, die viele Informationen zusammenfassend verarbeiten können, mit einer enormen Menge an Rückerinnerungen überflutet. Diese Erinnerungsflut kann in einer ausweglosen Situation u.U. Sinn ergeben! Vielleicht hilft uns ja eine der vielen Informationen aus dem Gedächtnis ja doch noch, unser Leben zu retten. Die weiteren Nahtod-Erfahrungen treten i.d.R. erst dann ein, wenn auch die Rückerinnerungsflut als „erweiterter Handlungsspielraum“ keinen Erfolg mehr verspricht.

GLÜCKSGEFÜHLE UND ENTGRENZUNG

Die NMDA-Rezeptoren stehen auch mit dem Opioid-System in Verbindung, mit dessen Hilfe der Körper Schmerzen unterdrückt. Dank dieser Verschränkung können sie auch zu den häufig bei Nahtod-Erlebnissen in Erscheinung tretenden Gefühlen von Glück, Friede und Freude einen wesentlichen Beitrag leisten! Aber auch die Entgrenzung, die Wahrnehmung des Auflösens der Unterschiede zwischen Selbst und Umwelt können dadurch erklärt werden. Die Forscher gehen davon aus, dass das Gehirn die Fähigkeit zur Wahrnehmung von Gegenständen verliert, wenn es plötzlich in einen größeren Zeittakt schaltet und gleichzeitig der übliche Signalcode der Nervenzellen seiner Bedeutung beraubt wird.

Die Amygdala – eine für Angst und Aggression zuständige Region unseres Gehirns – spielt höchstwahrscheinlich ebenfalls bei solchen Erlebnissen mit! Manche Menschen erleben unter Ketamin-Einfluss ein positives Gefühl der Entgrenzung, während die Amygdala gleichzeitig geringere neuronale Aktivität aufweist. In Bezug auf die Nahtod-Situation könnte dies bedeuten: Wenn kein Gegenstand oder keine Möglichkeit zum Handeln mehr da ist, kommt diese Hirnregion mit ihren Handlungsimpulsen nicht mehr zum Zuge – und die eigenen Grenzen lösen sich auf.

LICHTTUNNEL:

Licht-Phänomene bei Nahtod-Erlebnissen können schlichtweg mit Minderdurchblutung in diversen Hirnbereichen (visueller Cortex) und der Augen selbst zusammenhängen. Auch von Ohnmachtsanfällen ist bekannt, dass die Betroffenen oft „Sternchen“ sehen. Bei anschließend zurückkehrender Sehkraft werden die Augen wieder an das visuelle System des Hirns angekoppelt. Der aus der Ohnmacht erwachende empfindet dabei eine „Überhelle“. Man muss bedenken: Unser Hirn ist nicht nur eine Zukunfts-Vorhersage-Maschine, es ist auch ein Sinnerzeuger! Es ist schlichtweg nicht in der Lage, Unsinniges festzuhalten und bemüht sich darum, alles Wahrgenommene mit einer Bedeutung zu belegen. So kann eine plötzliche Helligkeit mit dem Heraustreten aus einem dunklen Tunnel assoziiert werden. Dies ist umso eher möglich, wenn gleichzeitig Transmittersysteme aktiv sind, die Glücksgefühle erzeugen und die Interpretationsbereitschaft beflügeln.

Ein sehr häufig beschriebenes Nahtodes-Erlebnis: ein vermeintliches Schweben – ggf. auch mit hoher Geschwindigkeit – auf eine starke Lichtquelle am Ende eines Tunnels.

Hierzu eine kleine Randnotiz: Für Astronauten gibt es eine spezielle Trainingsmethode: Man setzt sie in eine Zentrifuge deren Schwungarm sie anschließend im Kreis dreht. Mit zunehmender Beschleunigung wird das Auftreten einer sich steigernden Schwerkraft simuliert, wie sie auch beim Start einer Weltraumrakete auftritt und vom Körper der Astronauten verkraftet werden muss, ohne dass diese ohnmächtig werden! Mitunter geschieht es, dass Astronautenanwärter bei diesem Vorgang in der Trainingszentrifuge ohnmächtig werden, woraufhin der Vorgang natürlich sofort abgebrochen wird. Unmittelbar nach Erwachen aus der Ohnmacht sind die (vorerst gescheiterten) Astronauten-Anwärter häufig unglaublich gut gelaunt, fühlen sich sehr glücklich und sind euphorisiert! Und nicht selten berichten auch sie von der subjektiven Wahrnehmung, durch einen Tunnel hindurch auf ein Licht zugeflogen zu sein!

„OUT-OF-BODY-ERFAHRUNG“ bzw. „SCHWEBE-ERLEBNIS“

Das außergewöhnlichste Nahtod-Erlebnis ist zweifelsfrei das Schweben über dem eigenen Körper, auch „Out-of-Body-Erfahrung“ genannt! Könnte man davon ausgehen, dass die Personen, die darüber berichten, sich tatsächlich außerhalb ihres eigenen Körpers befunden hätten, müsste man unweigerlich und in voller Ernsthaftigkeit über eine übernatürliche Seele diskutieren! Hierzu sehen (die meisten) Hirnforscher aber keinen wirklichen Anlass! Bei näherem Hinsehen scheint es in der Tat weitaus weniger spektakuläre Ursachen für solche Wahrnehmungen zu geben!

Sich selbst von außen zu sehen, ist prinzipiell nichts völlig Ungewöhnliches! Bittet man Leute darum, sich an einen Schwimmbadbesuch zu erinnern, geben etwa 80% von ihnen an, dass sie sich selbst dabei vom Beckenrand aus im Wasser beobachten.

Profanes Beispiel einer „Out-of-Body“- Selbstbetrachtung im Zuge einer erinnerten bildlichen Vorstellung: der eigene Körper wird (wie ein „Objekt der äußeren Umwelt“) aus einer nicht verkörperlichten „Ego-„ bzw. „1.-Person-Perspektive“ wahrgenommen.

Eine mentale Ansicht der eigenen Person von außen zu erstellen, ist eine normale Leistungsfunktion jener Hirnzentren, die multiperspektivisch arbeiten! In Gefahrensituationen greift das Hirn mitunter auf diese Möglichkeit zurück. Wenn wir uns in einer unbekannten Stadt oder innerhalb eines größeren Gebäudes, Passagierschiffes o.ä. verlaufen und über unsere räumliche Position innerhalb dieses Objektes nachdenken, sehen wir unser eigenes Bild mitunter ebenfalls inmitten einer geistig vorgestellten Landkarte.

Man kann solche Erlebnisse aber auch künstlich hervorrufen! Bei Epilepsie-Patienten wird je nach Schwere der Erkrankung häufig Gehirngewebe entfernt, dass sich im Rahmen einer längerfristigen vorhergehenden Beobachtung als besonders störanfällig erwiesen hat („Epilepsieherd“). Im Vorfeld an eine solche OP werden umfangreiche Untersuchungen mit punktgenau angesetzten Elektroden durchgeführt, um festzustellen, wie die Kartographie der wichtigsten Hirnareale bei der betreffenden Person im Detail aussieht und welche Stellen auf keinen Fall verletzt werden dürfen, will man nicht schwere Funktionsverluste oder -störungen hervorrufen. Reizt man nun einen bestimmten Punkt im „Gyrus angularis“ mit leichtem Strom, berichten die Betroffenen von einem Gefühl des Sinkens oder Fallens. Bei höherer Stromstärke hatten schon Patienten die Wahrnehmung, einige Meter über ihrem Bett zu schweben und – im konkreten Fall einer Patientin- auf ihren Unterkörper und die eigenen Beine herabzusehen.

DAS GEFÜHL VON EWIGKEIT, GÖTTLICHER PRÄSENZ UND VON DER ENTGRENZUNG DES KÖRPERS

Man hat mittels bildgebender Verfahren (Magnetresonanztomograph) Untersuchungen an meditierenden Menschen gemacht, um der Natur religiöser Erfahrungen nachzuspüren. Zu diesen Erfahrungen oder Empfindungen gehören etwa das Gefühl, Eins zu sein mit dem Universum, das Verschwinden von Grenzen, die Verbindung zu irgendeiner Energie, ein Zustand von Klarheit, Transparenz und Freude und eine tiefe Verbindung zu allem.

Den Probanden wurde eine leicht radioaktive Flüssigkeit injiziert. Dann versuchten sie per Meditation oder Gebete in einen Zustand tiefen religiösen Empfindens zu gelangen. Wenn die Probanden glaubten, den Zustand religiöser oder meditativer Ekstase erreicht zu haben, zogen sie an einer Schnur und der Tomograph begann sogleich ihre Gehirne nach Regionen zu durchsuchen, die auffallend aktiv oder auch auffallend inaktiv waren!

Das Ergebnis:
Das im Scheitellappen befindliche „Orientierungs-Assoziations-Areal“ (nachfolgend OAA genant) war besonders inaktiv. Normaler Weise vermittelt diese Region eine Empfindung darüber, wo der Körper endet, und die äußere Welt beginnt.

Die Informationsquelle des OAA ist ein interner Wahrnehmungsprozess, den man als Propriozeption  (Wahrnehmung von Körperlage und -bewegung im Raum) bezeichnet: An der Propriozeption sind in erster Linie die Tiefensensibilität und das Gleichgewichtsorgan beteiligt: Zahllose Sensoren (Mechanorezeptoren) registrieren Zustand und Zustandsänderungen des Bewegungs- und Haltungsapparats (Muskelspindeln, Sehnenspindeln, Winkelstellung der Gelenke,..). Der Vollständigkeit halber sei die Viszerozeption erwähnt – jener Wahrnehmungsprozess, über den das vegetative Nervensystem dem Hirn Informationen über die Organtätigkeiten übermittelt, auf deren Basis das Hirn wiederum z.B. Hunger- und Müdigkeitsempfinden, den Blutdruck oder die Hormonausschüttung reguliert.

Der linke Teil des OAA vermittelt das Gefühl für die physischen Grenzen des Körpers. Bei magersüchtigen Personen ist dieses Areal häufig funktionsgestört und die Betroffenen nehmen sich selbst als viel schwerer und fülliger wahr, als sie sind! Der rechte Teil des OAA verarbeitet Informationen über Zeit und Raum, also den Kontext, in dem der Körper agiert. Für seine Berechnung benötigt das OAA ständig Informationen von den Sinnesorganen. Bei tiefer Meditation werden die Sinnesorgane „ausgeblendet“. Die Schläfenlappen erhalten keinen Input mehr. In Ermangelung des normalen „Informations-Futters“ kann der linke Teil des OAA die Grenze zwischen dem Selbst und der Welt nicht mehr definieren. Als Resultat nimmt das Gehirn seinen Besitzer als eng verbunden mit allem und jedem wahr. Durch fehlende Stimulation des rechten OAA verschwindet auch der Bezug zu Raum und Zeit. Infolgedessen entsteht ein Gefühl von Ewigkeit und Endlosigkeit.

Es spielen aber noch weitere Hirnbereiche mit hinein! Der Hippocampus ist eine Art Schleusentor. Er reguliert den neuronalen Informationsfluss zwischen Hirnarealen. Bei tiefer Konzentration auf Objekte, Worte oder Gedanken treibt die starke Beanspruchung anderer Bereiche (etwa des Aufmerksamkeitszentrums) den Hippocampus dazu, den Input zum Scheitellappen abzuschalten. Das Orientierungsareal (OAA) arbeitet aber trotz seiner „Blindheit“ weiter und vermittelt den Eindruck, man löse sich in etwas sehr viel Größerem auf. Die „Gegenwart Gottes“ wird spürbar. Es entsteht das Gefühl der Existenz einer übernatürlichen Macht.

 NATÜRLICHE FUNKTION VON NAHTOD-ERLEBNISSEN?

Über Nahtod-Erlebnisse wird oft und viel diskutiert. Die Mystiker führen u.a. das Argument an, dass eine biologische Maschine wie das Hirn nicht irgendein „überflüssiges Schauspiel“ aufführen würde! Die Natur betreibt an sich keinen unnötigen Aufwand! Warum also sollte sie Energie dafür einsetzen, einem sterbenden Individuum mittels Hormonentgleisung o.ä. den Schrecken vor seinem Ende zu nehmen? Ich denke diese Mechanismen sind sehr wohl biologisch sinnvoll! Wenn es noch eine minimale Überlebenschance gibt, helfen uns diese Vorgänge, sie zu nutzen! Wenn ich hingegen wirklich sterbe, können die (im Idealfall eintretenden) hormonellen Glücksgefühle meine Panik und mein Entsetzen lindern. Stellen wir uns eine Gruppe von Steinzeitmenschen vor, in deren Mitte sich ein Sterbender befindet. Wenn dieser in unsäglicher Furcht laut schreit, ohne dass die Gruppenmitglieder irgendeine äußere Bedrohung wahrnehmen können, würde die ganze Gruppe in enormen Stress oder Panik geraten! Schließt der Sterbende aber mit einem entspannt lächelnden Gesichtsausdruck die Augen, so ist dieser Vorgang auch für die anderen weniger beängstigend und sie verschwenden keine Energie mit sinnlosen Aktionen (Flucht o.ä.)!

WUNSCHDENKEN UND MYSTIFIZIERUNG

Warum sehen viele Personen im Rahmen von Nahtod-Erlebnissen ENGEL und VERSTORBENE? Aus demselben Grund, aus dem mystisch argumentierende Menschen darauf beharren, diese Erlebnisse würden einen Blick in eine jenseitige Welt gestatten – weil sie es sich so wünschen! Wenn ich aus einem nächtlichen Traum erwache, der zwar starke Emotionen, aber wenig konkrete Inhalte in meinem Kurzzeitgedächtnis hinterlassen hat, werde ich wahrscheinlich dazu neigen, irgendwelche Inhalte zu konstruieren! Ich entwerfe eine Geschichte über die Traumhandlung wobei ich in dem Moment, indem ich mich zu erinnern bemühe, bereits unwissentlich Inhalte (Deutungen) erzeuge, anstatt sie zu erinnern! Daher ist es wohl auch verständlich, dass Amerikaner und Europäer verschiedene Jenseits-Landschaften (Wiesen oder Getreidefelder) erleben. Das Gedächtnis beruft sich auf die jeweiligen kulturbedingten Erfahrungen. Auch die oft protokollierte Aussage von Personen mit Nahtod-Erlebnis, sie hätten die Ärzte und Krankenwagen aus der Vogelperspektive gesehen, ist nicht weiter verwunderlich! Ihr Verstand weiß ja, welches Szenario sich höchstwahrscheinlich um das für sie beinahe tödliche Ereignis herum abgespielt hat!

NATURWISSENSCHAFTLICHES FAZIT

Nahtod-Erlebnisse sind trotz ihres außergewöhnlichen Charakters kein echter Hinweis auf ein Leben nach dem Tod bzw. auf die Existenz einer übernatürlichen Seele (und somit außerkörperliches Bewusstsein)! Alle Nahtod-Wahrnehmungen dürften bereits für die Nutzung im Leben in unserem Gehirn angelegt sein! Ob ich nun eine Perspektive außerhalb des Körpers einnehme, starke Lichtreize wahrnehme oder Glück und inneren Frieden empfinde – all diese Dinge beruhen auf Vorgängen innerhalb meines Nervensystems! Der Gedanke „Ich sterbe jetzt“ kann diese Mechanismen gleichzeitig auslösen, abhängig davon, wie unmittelbar und glaubhaft ich mit dieser Vorstellung konfrontiert werde. Die Zukunfts-Vorhersagemaschine Gehirn kollabiert in diesem fatalen Augenblick, an dem Zukunft und Vergangenheit im „Clash der Zeiten“ zusammenstoßen! Es bildet eine neuartige Perspektive aus, innerhalb derer es nicht mehr die Außenwelt, sondern sich selbst (seine tieferen Prozesse) wahrnimmt und so den Eindruck „außersinnlicher Wahrnehmungen“ entstehen lässt.