GLÜCK UND SINNERFÜLLUNG
SCHNELLÜBERSICHT ZU DIESER KAPITELSEITE
GLÜCK UND LEBENSSINN
* Glück ist in erster Linie ein Bewusstseins- bzw. auf materieller Ebene ein Gehirnzustand und nicht zwingend oder ausschließlich die Folge von Gesundheit, Reichtum, Sex und Macht!
IRDISCHES PARADIES
* Kann eine technologisch wie sozial hoch oder höchst entwickelte Gesellschaft ein sehr hohes Maß an Sicherheit, Zufriedenheit, Lebensqualität und letztlich Glücksempfinden für alle oder zumindest die meisten seiner Mitglieder realisieren?
UNSTERBLICHKEIT
* Kann der einzelne Mensch durch die Möglichkeiten einer künftigen Hochtechnologie im medizinischen Bereich u.U. eine sehr viel höhere biologische Lebensdauer aufweisen, als gegenwärtig denkbar ist?
* Kann der natürliche Tod womöglich zeitlich „unbegrenzt“ aufgehalten oder sogar revidiert werden?!
WAS IST GLÜCK ?
Viele Menschen antworten auf diese Frage spontan mit Begriffen wie: Sex, Reichtum, Macht, Ansehen, Sportwagen, Lottogewinn, etc.
Die Wirklichkeit ist komplizierter! Auch die Mächtigen und Reichen leiden zuweilen unter „Sinnleere“, benötigen Drogen, um sich „glücklich“ zu fühlen und auch sie sind nicht davor gefeit, ihrem Leben wegen anhaltend schlechter Befindlichkeit durch einen aufgesetzten Kopfschuss oder einen Medikamenten-Cocktail ein vorsätzliches Ende zu setzen!
Die Glücks-Empfindung hängt sicherlich mit äußeren Bedingungen zusammen – aber bei Weitem nicht derart linear und zwingend wie oftmals angenommen wird! Ein Mensch kann sich innerhalb „objektiv ausgezeichneter“ äußerer Umstände (Reichtum, Beziehungen, etc.) befinden. Leidet er aber z.B. unter einer Depression, einer Psychose, Angstzuständen, Zwängen, Schuld- oder Minderwertigkeitsgefühlen, werden ihn diese günstigen Bedingungen nicht glücklich machen.
Des Weiteren hängt das Glücksempfinden mit der subjektiven Wahrnehmung, der Interpretation und Bewertung äußerer Ereignisse zusammen. In der Regel aber können wir uns nicht einfach „glücklich fühlen“- erst recht nicht unabhängig von Umweltereignissen! Würde ich einer Folterung unterzogen, könnten mich auch die sinnvollsten Lebenseinstellungen und der höchste Optimismus nicht vor der (situationsbezogenen) Allmacht des Elends und der Nicht-Existenz des Glücks bewahren.
Viele Faktoren haben also mit dem „Glück“ zu tun, aber kaum welche stehen in einem absolut gesetzmäßig- ursächlichen Zusammenhang mit dem „Glück“!
GLÜCK ist in erster Linie eine Empfindung, ein mentaler Zustand unseres Geistes, der mit durchaus präzisierbaren Erregungsmustern des Gehirns korreliert! Glück spielt sich in denselben Hirnregionen ab, die auch an der Entstehung und dem Erleben von Neugierde und Überraschung beteiligt sind und die man neurowissenschaftlich unter dem „Belohnungssystem“ zusammenfasst. Die erfolgreichsten Schüler sind jene, die früh Lernerfolge verzeichnen und durch das Lösen von (abstrakten) Aufgaben Glücksgefühle erfahren. Erfolg zu haben macht zweifelsfrei glücklich (ebenso wie der Misserfolg unglücklich macht und irgendwann sogar die Neugierde abtötet)! Eine spontane Glücksempfindung können wir auch erleben, wenn im Autoradio unvermittelt unser Lieblingslied ertönt. Die Überraschung spielt hierbei eine wesentliche Rolle. Hören wir hingegen das Lied über einen Player in Endlosschleife, werden wir dabei kaum Glück verspüren.
Glück empfinden auch die Konsumenten von Kokain, weil dadurch das Belohnungssystem aktiviert wird. Längerfristig macht die Droge indes nicht glücklich. Die Dosis muss erhöht werden, die Nebenwirkungen werden stärker und der Mechanismus an sich wird unzuverlässiger.
GLÜCK UND BEDÜRFNISSE
Menschliche Bedürfnisse werden anhand einer „Bedürfnispyramide“ klassifiziert. Die unterste Ebene bilden die sog. „Grundbedürfnisse“. Sie bezeichnen die lebensnotwendigen Dinge, ohne die der Mensch nicht leben kann: Nahrung, Kleidung, eine sichere Behausung, physikalische Wärme, etc. Aber auch die körperliche und seelische Gesundheit zählen zu dieser Ebene! Ein Sprichwort sagt: „Ein gesunder Mensch hat 1000 Wünsche, ein Kranker nur (den) Einen!“
Die zweite Bedürfnisebene ist der soziale Bereich! Wenn ich genug zu Essen und zu Trinken habe, mein Haus warm und wasserdicht und meine gesundheitliche Verfassung ok ist, hätte ich gerne ein paar Menschen um mich herum mit denen ich mich einigermaßen gut verstehe, mit denen ich mich unterhalten kann, die mir etwas bedeuten und denen ich im Idealfall umgekehrt auch etwas bedeute!
Ist dieses Kriterium ebenfalls erfüllt, wünsche ich mir Geld und Wohlstand, ein größeres Haus oder ein dickeres Auto. Materielle Dinge drängen sich nun zunehmend stärker ins Blickfeld meiner Wünsche und Ziele – auch deshalb, weil durch sie ein sozialer oder gesellschaftlicher Status repräsentiert wird.
Sollte mir auch das gelingen, nähere ich mich der höchsten Bedürfnisebene und strebe nach „Selbstverwirklichung“! Ein wichtiger Aspekt dieses Begriffes ist sicher die „Selbstbestimmung“ bzw. die „persönliche Freiheit“. Vielleicht entwickle ich eine brauchbare Geschäftsidee und gründe meine eigene Firma, wandere aus, suche Gleichgesinnte und gründe einen Verein, versuche mich als Künstler, strebe nach Individualität, Perfektion, Erleuchtung?!
Der springende Punkt ist jener: Der Mensch bekommt i.d.R. nie genug! Egal was und wie viel man hat – man gewöhnt sich an jeden Ist-Zustand, bis er als langweilig (und selbst-verständlich) empfunden wird!
Diesen Effekt gibt es auch bei Tieren. Man hat Schimpansen mit einem verschwenderischen Buffet an herrlichen, schön dekorierten Früchten überrascht (vormals erhielten sie stets nur einfache Blätter und Grünzeug)! In ihrem Gehirn war das sog. „Belohnungssystem“ daraufhin hoch aktiv und schüttete den Neurotransmitter Dopamin aus (der gleiche Hirn-Botenstoff, der beim Menschen u.a. durch die Zufuhr von Kokain ausgeschüttet wird)! Nachdem die Affen über einen gewissen Zeitraum hinweg täglich dieses aufwändige Buffet serviert bekamen, reduzierte sich ihr Glücksempfinden. Letztlich waren sie nicht glücklicher als beim vormaligen Verzehr schlichter Kost!
Die menschliche „Es muss noch mehr gehen – Einstellung“ hat durchaus Vorteile! Die negativen Auswirkungen sind uns bestens vertraut (Gier, Ungerechtigkeit, Skrupel- und Rücksichtslosigkeit, Ausbeutung der Umwelt, spekulationsbedingte Bankenpleiten und Wirtschaftskrisen, etc.) und für manche Kleriker und Philosophen mitunter ein Anlass, den Menschen an sich abzuwerten. Auf der anderen Seite ist dieses (auch egoistische) Bedürfnis über sich hinauszuwachsen die Triebfeder für technologischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Fortschritt! „Die Dosis macht das Gift“ (und den Unterschied zur Medizin)! Die Menschen hätten irgendwann in einem der vergangenen Jahrhunderte mit ihren aus heutiger Sicht geringen (technischen und wirtschaftlichen) Fähigkeiten und Möglichkeiten zufrieden sein können! Würden wir heute noch auf Pferden reiten, in Kutschen fahren, mit hölzernen Segelschiffen die Meere überqueren und das Fliegen dem lieben Gott und den Vögeln überlassen, dann gäbe es noch viel mehr unberührte Natur, größere Urwälder, ein weitaus geringeres Artensterben und fast keine Umweltverschmutzung (bzw. nur organische, biologisch abbaubare Abfälle). Auf der anderen Seite wäre eine banale Blinddarmentzündung eine lebensgefährliche Angelegenheit! Wir hätten immer wieder grausame Hungersnöte! Pocken, Kinderlähmung und viele andere Seuchen wären für immer unheilbar, ein nur geringfügig komplizierter Knochenbruch wäre das Ende eines normalen Lebens! Zwischen dem 30. und 35. Lebensjahr würden uns die Zähne ausfallen, eine entzündete Verletzung brächte uns den grausamen Tod durch Wundstarrkrampf und wer entgegen aller Wahrscheinlichkeit seinen 45. Geburtstag feiern kann, würde zum Ärgernis für seine Erben.
Was uns als Individuum den „Kick“ gibt sind niemals die Dinge, die wir haben, sondern das, was wir erwarten! Ein Mensch der zuversichtlich davon ausgeht, noch „mehr“ oder „Besseres“ zu bekommen, lebt in freudiger Erwartung und ist guter Dinge! Es kommt nicht darauf an, was genau er erwartet, wesentlich ist nur das es über dem aktuellen Standard liegt! Wenn ich arm bin, beflügelt mich die Aussicht auf ein eigenes Auto. Ein rostiger Fiat würde mich sehr glücklich machen! Bin ich hingegen sehr reich, würde eine Traumvilla denselben Zweck erfüllen. Werde ich wider Erwarten von einem zunächst für tödlich befundenen Hirntumor geheilt, bin ich der glücklichste Mensch auf der Welt, selbst wenn ich finanziell verschuldet bin!
Die modernen Glücks-Forscher postulieren: Viele Dinge – insbesondere materielle Dinge – machen uns nur innerhalb eines bestimmten Rahmens glücklich, darüber hinaus aber nicht weiter! Eine höhere Geldmenge macht denjenigen glücklich, der vorher Probleme hatte, seine Grundversorgung oder diejenige seiner Familie zu bestreiten! Wenn aber ein gewisser materieller Wohlstand erreicht ist, erhöhen zusätzliche Geldmengen zwar den (augenscheinlichen) Wohlstand, nicht aber zwangsläufig das Glücksempfinden!
Gemäß einer Studie des bekannten Glückforschers Ed Diener sind die reichsten Amerikaner (mit einem Jahreseinkommen von mehr als 10 Millionen USD) nur geringfügig glücklicher, als die Leute, die für sie arbeiten!
Die kritische Grenze für eine „Geld-Glück-Wechselbeziehung“ liegt laut einer australischen Studie bei einem Haushaltseinkommen von 50.000 Euro (brutto) pro Jahr. Jenseits eines Jahreseinkommens von 85.000 Euro pro Jahr gäbe es gar keinen erkenn- bzw. feststellbaren (geldbedingten) Glückszuwachs mehr.
GLÜCK UND HILFSBEREITSCHAFT
Man hat im Rahmen einiger schlichter Verhaltensexperimente festgestellt, dass glückliche Menschen viel eher bereit sind, anderen zu helfen, und zwar unabhängig von ihrer Weltanschauung. Wer Glück empfindet, der empfindet auch Harmonie. Wer Harmonie empfindet, strebt nach dem Erhalt der Harmonie. Und dazu gehört eben auch, dass Verhalten der anderen! Wenn die auch ein bisschen glücklich sein können, gibt es weniger schlechte Stimmung wegen Missgunst, Frust oder Aggression!
„Die Menschen müssen leiden, um stark zu werden, dacht ich.
Jetzt denk ich, sie müssen Freude haben, um gut zu werden.“
Wilhelm von Humboldt
„GLÜCKLICH ZU LEBEN IST DIE EIGENTLICHE RELIGION!“
Dalai Lama
Wer glücklich sein will, muss vor allem auch dazu fähig sein, Glück wahrnehmen und empfinden zu können! Ein erwiesenermaßen sehr hoher Glücksfaktor resultiert aus einer gut funktionierenden Partnerschaft mit einem geeigneten Menschen. Überhaupt sind es unsere Beziehungen und sozialen Kontakte, die maßgeblich über unser Glücksempfinden entscheiden!
Im Idealfall kann ein Mensch durch tiefe Meditation Glück empfinden – ohne das es ihm einen einzigen Cent an materiellem Einsatz kostet!
PARADIES AUF ERDEN ?!
Die Religionen versprechen ihren Anhängern ein ewiges Leben in einem jenseitigen Paradies. Die Paradies-Vorstellungen waren in verschiedenen Kulturen und Epochen durchaus verschiedenartig ausgebildet! Die Germanen etwa stellten sich das Paradies als eine Art jenseitiges „Sauf- und Fressgelage“ vor! Man tafelt dort üppig, betrinkt sich, zieht wunderschönen Frauen den Rock hoch oder prügelt sich mit anderen Paradiesbewohnern. Dabei spielt es auch keine Rolle, wenn manch Einer ein Messer zwischen die Rippen bekommt! Am nächsten Morgen nämlich sind sämtliche Räusche vorbei (einen „Kater“ gibt es dort natürlich nicht) und sämtliche Totschlagopfer erheben sich zu neuem Leben! Die Tische biegen sich erneut unter dem Gewicht der gebratenen Köstlichkeiten und selbstverständlich sind auch die himmlischen Bierfässer wieder zum Überlaufen voll!
Die Bekehrung der Germanen zum Christentum verlief – so eine Vermutung – wahrscheinlich auch deshalb zunächst schleppend, weil sich die christliche Lehre mit konkreten Aussagen über denkbare Abläufe im Paradies sehr zurückhält und die Germanen eine „himmlische Langeweile“ befürchteten?!
Aber auch für das christliche Paradies gilt: Alles ist wunderbar. Jedem ergeht es dort blendend und die Bewohner werden für zeitlich unbegrenzte Dauer nichts als vollendete Freude und vollkommenes Glück empfinden.
Laut christlicher Vorstellung gab es sogar ein Paradies auf der Erde! Adam und Eva machten leider einen Fehler (die Geschichte mit dem verbotenen Baum ist hinlänglich bekannt) und so leben wir nun in einer dunklen, verdorbenen Welt, in der alle sterben müssen und die furchtbar böse ist! Interessant an dieser biblischen Geschichte: das Unglück kam, weil sie mehr wollten, als ihnen zusteht! Ihnen fehlte wohl die Fähigkeit, zufrieden zu sein?!
Ein mittelalterlicher Philosoph beschäftigte sich mit der Frage, wie lange Adam und Eva wohl im Paradies verbracht haben (ehe sie dem Reiz des Verbotenen erlagen). Gemäß seiner Einschätzung waren es 45 Minuten! Dann wurde es ihnen langweilig!
Was will uns diese Anekdote sagen? Für uns Menschen wäre ein Leben ohne jegliche Herausforderung und Anstrengung, ohne jegliche Handlungsanreize aufgrund wechselnder Befindlichkeiten und sich verändernder Umweltbedingungen, tödliches Gift!
Ein besonders kresses Beispiel für die negativen Folgen chronischen „Arbeitsmangels“ im weitesten Sinne ist der Bandwurm:
Die Bandwürmer haben sich im Verlauf der Evolution nicht höherentwickelt, sondern sind sogar degeneriert!
„Ihre Vorfahren waren recht bewegliche Würmer. Sie besaßen ein Nervensystem, das die Kontraktionen ihrer vielen Muskelzellen so koordinierte, dass sich der ganze Wurm fortbewegen konnte. Es war in der Lage, die von den Sinneseingängen eintreffenden Signale so zu verarbeiten, dass der Wurm zielsicher dorthin kriechen konnte, wo keine Gefahr drohte, wo es etwas zu fressen gab und wo ggf. ein begattungsbereiter Partner zu finden war. Einigen dieser Würmer ist es später, als noch viel größere und kompliziertere Tiere entstanden waren, mit Hilfe ihres primitiven Gehirns gelungen, einen besonders angenehmen Lebensraum zu finden: den Darm. Dort gab es Nahrung im Überfluss, und dort drohte, solange der Wirt lebte, keine Gefahr. Sie verloren allmählich ihre Beweglichkeit. Außen an ihrem Kopf entwickelte sich ein Hakenkranz, mit dem sie sich festhalten konnten, und drinnen verschwand all das, was in diesem Wurm-Schlaraffenland nicht mehr gebraucht wurde. Ohne es überhaupt zu bemerken, hatten sie nicht nur ihr ohnehin nicht sehr großes Gehirn verloren, sondern bald auch die Fähigkeit, überhaupt noch eines herauszubilden. Wie den Bandwürmern ist es bisher auch allen anderen Parasiten ergangen. Erst benutzen sie ihr Hirn besonders schlau, um sich ein bequemes Leben zu machen, und wenn sie das endlich geschafft haben, fangen sie an zu verblöden…….!“
Aus „Bedienungsanleitung für ein menschliches Gehirn“ von Gerald Hüther
In einem übernatürlichen Paradies wären die Bewohner vor einem „Bandwurm-Dilemma“ allerdings vermutlich geschützt! Eine übernatürliche Seele als Trägerin von Psyche und Bewusstsein bedürfte ja im Gegensatz zu biologischen Nervensystemen, also Gehirnen, keinerlei Stimulation und Training?!
GLÜCK FÜR EINE GANZE GESELLSCHAFT?
Wie müsste eine angenommene Gesellschaft aussehen, in der die meisten Menschen sehr glücklich wären und mehr oder weniger in einer Art „Paradies“ )im weitesten Sinne) leben würden?!
Die elementare Grundvoraussetzung für „Glück“ ist die Sicherheit!
Wer um sein Leben, seinen Besitz, die Unversehrtheit seines Körpers und seiner Würde bangen muss, kann schwerlich „glücklich“ sein!
Kann es in einer „gewöhnlichen“ Gesellschaft so etwas wie „maximale Sicherheit“ geben? Im absoluten Sinn sicher nicht! Man kann weder alles kontrollieren (außer in einem sehr restriktiven Polizei- und Überwachungsstaat, dort würde sich aber kaum jemand wirklich leben wollen und staatlicher Machtmissbrauch wäre vorprogrammiert), noch kann man jedes Individuum dazu motivieren, die Möglichkeiten seiner „freien Verhaltenssteuerung“ freiwillig nur zum eigenen Wohl und nicht zum Nachteil anderer einzusetzen oder auszureizen!
Die meisten Menschen müssten in dieser fiktiven glücklichen Gesellschaft zufrieden sein! Sie müssten die Fähigkeit aufbringen, nicht durch Gier und Maßlosigkeit nach Glück zu streben! Der Starke müsste dazu bereit sein, etwas von seinem Überfluss abzugeben und der Schwache müsste dazu bereit sein, nicht voller Neid und Missgunst auf alles und jeden zu blicken, dem es real oder vermeintlich besser ergeht als ihm selbst!
Es geht nicht etwa um Kommunismus und Güterverteilung! Im Gegenteil: Unterschiede im Wohlstand sind unvermeidlich und keinesfalls grundsätzlich unbegründet! Es müsste aber ein sehr hohes Maß an Toleranz und Mitmenschlichkeit über die sozialen und wirtschaftlichen Ebenen hinweg existieren. Dann bestünde durch ein allgemein hohes Maß an Zufriedenheit auch ein analog hierzu hohes Maß an Sicherheit für alle Gesellschaftsmitglieder, da primitive Regungen und Handlungen mit ihren fatalen Folgen insgesamt weniger in Erscheinung treten würden.
Je zufriedener und (deshalb) sicherer eine Gesellschaft ist, umso glücklicher kann sie in der Summe auch werden!
In Bezug auf den unrealistischen Endzustand („Sicherheit, Zufriedenheit und Glück für Alle“) könnte man frustriert abwinken. Wir sollten aber nicht vergessen, wie sehr sich die Welt auch schon in die richtige Richtung bewegt hat!
Bei den meisten heutigen Kriegen bemüht man sich darum, sog. „Kollateralschäden“ zu vermeiden! Noch im zweiten Weltkrieg war es völlig gleichgültig, ob und wie viele Zivilisten getötet wurden (hohe zivile Verluste waren, wenn vielleicht auch nicht explizit erwünscht, doch zumindest nicht verpönt, da eine demoralisierte und dezimierte Zivilgesellschaft schließlich ebenfalls den militärischen Gegner schwächt)! Todesstrafe und Folter sind zwar nicht ausgerottet aber sie werden zunehmenden Maßes geächtet! Anstatt Dieben eine Hand abzuhacken oder Mörder hinzurichten, setzen sich die heutigen Strafverfolger (auch) mit der Psyche (Schuldfähigkeit) und den (Lebens-)umständen von Menschen auseinander, die moralisch und gesellschaftlich versagen. Wann und wo immer ein Krieg, ein Konflikt oder eine Naturkatastrophe ausbricht – egal auf welchem Kontinent und in welcher Region – mischt sich die internationale Staatengemeinschaft ein und bemüht sich um Hilfe und Milderung! Der Erfolg ist oft genug erbärmlich gering. Aber der Wille zumindest ist stets ersichtlich! Wir sehen jedenfalls: Die Menschen sind sich im Allgemeinen mitnichten vollkommen gleichgültig!
DIE ÜBERWINDUNG DES TODES
Zu einem „Paradies“ auf Erden würde idealerweise auch ein extrem langes Leben (oder sogar Unsterblichkeit?) gehören!
„Unsterblichkeits-Phantasien“ gelten im Allgemeinen für nicht weniger absurd, wie Zeitreisen in die Vergangenheit (in die Zukunft wären diese theoretisch möglich, wenn sich eine Person über längere Zeit hinweg räumlich extrem viel schneller fortbewegt als eine „ruhende“ Vergleichsperson).
Aber auch die Aussicht, das biologische Alter drastisch zu erhöhen (rein fiktiv und beispielmäßig auf 150, 200 oder 300 Jahre?!), wäre für die menschliche Lebensperspektive eine krasse Erweiterung, wenn auch mit dramatischen Konsequenzen bezüglich der globalen Überbevölkerung verbunden.
Ohne hier näher über den Grad an Utopie bzw. Realismus zu spekulieren oder zu urteilen, sollen nachfolgend zu diesem Thema ein paar Gedanken bzw. Sachverhalte angesprochen werden:
NERVENZELLE AN CHIP: BITTE MELDEN!
Die Hirnforschung ermöglicht zwischenzeitlich gewaltige und tiefgreifende Einblicke in die Funktionsweise des lebenden Gehirns! Viele Zusammenhänge zwischen neuronalen Vorgängen und dem (subjektiven) bewussten Erleben eines Menschen können bereits detailliert und schlüssig dargestellt werden! Das bisherige Wissen um die „Sprache“ der Neuronen (Hirn-Nervenzellen) zeigt bereits konkrete Früchte! Ein künstliches Netzhaut-Implantat (eine lichtempfindliche Neuro-Prothese) ermöglicht Blinden ein rudimentäres Sehen, durch das sog. Cochlea-Implantat erhalten Taube ein gewisses Hörvermögen. Aber es sind bereits erstaunlichere Dinge möglich! Über Elektroden, die auf der Kopfhaut angebracht sind, können Menschen bereits mit Computern interagieren und Maschinen (etwa einen Roboterarm) bedienen! Bestimmte Erregungsmuster der Hirnnervenzellen werden hierfür vom Computer zuverlässig als konkrete Steuerbefehle verstanden. Diese Technologien sind noch nicht ausgereift aber sie deuten auf die Richtung, in die die Kutsche fahren könnte! Es bestehen bereits erste konkrete Ansätze, Hirnareale nachzubilden und künstliche Komponenten zu entwickeln, die bspw. als „Gedächtnisprothese“ den Funktionsverlust bestimmter Hirnregionen kompensieren könnten!
Die funktionierende Interaktion zwischen Nervenzellen und künstlichen Komponenten funktioniert bereits auch außerhalb des Körpers! Man hat mittlerweile mehrfach im experimentellen Rahmen biologische Neurone mit Silizium-Chips verbunden, mit denen diese auch tatsächlich Signale austauschten! Ein spektakuläres Experiment wurde bereits im Jahr 2004 an der University of Florida vom Hirnforscher Thomas de Marse durchgeführt: Er züchtete in einer Petrischale eine Art „Miniaturgehirn“, bestehend aus 25.000 Nervenzellen, die dem motorischen Cortex eines Rattenembryos entnommen wurden. Am Boden der Petrischale war ein Netz aus 60 Goldkontakten. Die kultivierten Nervenzellen bauten nicht nur Verbindungen untereinander auf, sondern interagierten auch mit den künstlichen Kontakten. Beim Zusammenschließen dieses Systems mit einem F 22 – Flugsimulator war zunächst kein besonderes Ergebnis festzustellen. Dann aber erkannten und differenzierten die Nervenzellen elementare Daten des Inputs, steuerten den Simulationsflug stabil geradeaus und reagierten auf Abweichungen! Dazu sind selbstorganisierende Synchronisationseffekte innerhalb neuronaler Netze scheinbar fähig – sonst hätte das Experiment nicht gelingen können! Dieser Prozess hat nichts (oder noch nichts) mit irgendeinem Bewusstsein zu tun! Schließlich erzeugt selbst ein komplettes Rattenhirn (in einer lebenden Ratte – wo es für gewöhnlich auch besser aufgehoben ist) bei weitem kein Bewusstsein in der Art, wie es beim Menschen der Fall ist!
Im Extremfall könnten solche Entwicklungen aber irgendwann dazu führen, dass ein künstliches oder „gezüchtetes“ Hirn zu eigenem Bewusstsein gelangt?! Sollte es jemals dazu kommen, wäre es wahrscheinlich auch nicht undenkbar, das Bewusstsein einer lebenden Person auf ein anderweitiges System „umzusiedeln“. Der Tod des Körpers wäre in diesem Fall nicht mehr mit dem Tod der Psyche bzw. mit dem Ende von Empfinden und Erleben des wahrnehmenden Subjekts identisch?!
KRYONIK – KANN DER TOD RÜCKGÄNGIG GEMACHT WERDEN?
Unter Kryonik versteht man die Konservierung von Organismen oder einzelner Organe (insbesondere des Gehirns) bei Temperaturen unter Minus 125 Grad Celsius. Hierfür wird ein möglichst hoher Anteil der Körperflüssigkeit durch eine spezielle künstliche Flüssigkeit ausgetauscht, die beim Gefrieren keine Kristalle bildet und somit nur geringste Schäden an den Zellstrukturen anrichtet. Anschließend wird der Körper oder das Organ in flüssigem Stickstoff gelagert. Personen, die sich kryonisch bestatten lassen, erhoffen sich, irgendwann „wiederbelebt“ zu werden. Einzelne Wissenschaftler glauben an die prinzipielle Möglichkeit, dass ein toter Körper dereinst wieder in einen funktionsfähigen Zustand zurückversetzt werden könnte! Insgesamt findet diese Einschätzung allerdings sehr geringe Zustimmung. Dieses Ansinnen wird bisweilen mit dem Versuch gleichgesetzt, aus Hackfleisch wieder eine lebende Kuh zu bilden.