EVOLUTION

IN  KÜRZE:

– Die Entstehung und Höherentwicklung des Lebens aus natürlichen Ursachen und durch natürliche Prozesse kann grundsätzlich plausibel beschrieben und weitgehend empirisch belegt werden!

– Molekularbiologische Untersuchungsergebnisse beim Vergleich von DNA-Sequenzen verschiedener Lebensformen belegen eine evolutive, stammbaumartige Abstammung der Lebensformen!

– Das Fossilienmuster dokumentiert eindeutig die Evolution!

– Experimentelle Ergebnisse mit replizierenden Ribonucleinsäuren und Mikroorganismen belegen den Evolutionsprozess!

– Sollte tatsächlich ein übernatürlicher Schöpfer existieren (was reine Glaubenssache ist), so hat er sich offenbar des Evolutionsprozesses bedient, um komplexe Lebensformen bis hin zum Menschen entstehen zu lassen.

WAS BEDEUTET EVOLUTION ?

ln der Biologie bezeichnet der EVOLUTIONS – Begriff das graduelle Andersartigwerden der Organismen im Verlauf der Generationenabfolgen unter genetischer Anpassung (Adaption) an die jeweils herrschenden Umweltbedingungen.

Dieser Prozess vollzieht sich im Spannungsfeld zwischen zufälligen Mutationen im Erbgut auf der einen und selektierenden Umweltfaktoren auf der anderen Seite.

Der Begriff MUTATION bezeichnet die Veränderung in der Erbsubstanz eines Lebewesens.

DER WISSENSCHAFTLICHE THEORIE-BEGRIFF

Man darf den wissenschaftlichen Theorie-Begriff nicht mit dem Theorie-Begriff der Alltagssprache verwechseln! Folgender Abschnitt aus der Homepage der 13. Klasse des beruflichen Gymnasiums Baden-Württemberg (Biologiekurs) erläutert die Sache treffend:

„Von allen Theorien der Wissenschaft, ist die Evolutionstheorie die am besten begründete, da alle Naturwissenschaften Argumente liefern: die Physik, Astronomie, Chemie, Biologie oder die Geologie. Alle Ergebnisse werden heute zur synthetischen Evolutionstheorie („Neodarwinismus“) zusammengefasst….

Falls jemand meint:“ Ach, eine Theorie, das ist ja nur eine unbewiesene Hypothese!“; dem muss klar werden, dass unsere Naturwissenschaft auf Theorien basiert. Naturwissenschaftliche Theorien sind nicht zu verwechseln mit dem Begriff THEORIE der Umgangssprache, sondern sind in der Realität bewährte Beschreibungen der Naturgesetze. Nur reproduzierbare Experimente gelten als wertvoll!  Nur objektive (reproduzierbare) Fakten werden zu Bausteinen von Theorien!

Nehmen wir z.B. die Gravitationstheorie oder die Theorien der Mechanik von Newton. Kein Mensch würde heute mehr die Tatsache als Hirngespinst bezeichnen, dass ein Körper, wenn er fallengelassen wird, dem Boden mit einer definierten Bewegung zustrebt und man dies exakt berechnen kann. Ohne diese Erkenntnisse hätte man wohl kaum Raumfahrzeuge gezielt zu den Planeten schicken können!…“

DIE KREATIONISTISCHEN EINWÄNDE IM ÜBERBLICK:

Die Kreationisten sind eine vor allem in den USA aktive Gruppe religiöser Fanatiker, die der Naturwissenschaft den Krieg erklären und mit viel kunstvollem Aufwand den Eindruck erwecken, als gelänge es ihnen, die Wissenschaft mit ihren eigenen Mitteln zu schlagen! Für das mit Fakten wenig vertraute Laien-Ohr wirkt ihre Argumentation oftmals erstaunlich stichhaltig! In diesem Absatz sollen die wesentlichen kreationistischen Einwände gegen den Evolutionsprozess im Überblick dargestellt werden. Mit ihrer Entkräftung befasst sich anschließend der ganze Rest dieser Seite!

EVOLUTIONSBIOLOGIE – EINE IDEOLOGISIERTE GEISTESWISSENSCHAFT ?!

Nach Meinung der Kreationisten gibt es in der Evolutionsbiologie keine harten Befunde! Es gäbe vielmehr nur metaphysisch-philosophische Konzepte, die weder durch Beobachtungen in der Natur noch durch experimentelle Daten gestützt würden!

MIKRO – UND MAKROEVOLUTION ?!

Die Kreationisten postulieren sog. „Schöpfungs-Grundtypen“ und differenzieren in diesem Sinne zwischen einer möglichen Mikro- und einer angeblich unmöglichen Makro-Evolution! Die Tatsache, dass aus einem Wolf ein Hund und aus diesem (insbesondere durch menschliche Züchtungsbemühungen) viele weitere Hunderassen werden konnten, akzeptieren die Kreationisten! Man spricht hier von einer „horizontalen Evolution“ da kein Artensprung (ein Mops ist ebenso ein Hund wie ein Dackel oder ein Schäferhund) und keine Zunahme an Systemkomplexität erfolgt! Eine Makro-Evolution hingegen würde einen „Artensprung“ und ggf. eine „Höherentwicklung“ einschließen! Dies bedeutet, dass die Lebewesen, die aus einer Makro-Evolution hervorgegangen sind, mit Vertretern der Ursprungsart keine Nachkommen mehr zeugen können (so wie ein Hund mit einer Katze keine Nachkommen zeugen kann)!

Gemäß kreationistischer Postulate sei noch nie ein Artensprung beobachtet worden?! Angeblich existieren auch keine experimentellen, die Evolutionstheorie stützenden Befunde?! Ferner wären die Mendel`schen Vererbungsregeln ein Beweiß für die Unmöglichkeit der Makro-Evolution?!

KEINE NEUEN GENE ?!

In der Natur entstehen angeblich nie bzw. äußerst selten völlig neue Gene mit neuen Funktionen! Dies sei nach Ansicht der Kreationisten aber zwingend nötig, damit eine Makro-Evolution möglich ist?!

NUR NACHTEILHAFTE MUTATIONEN ?!

Zufällige Mutationen im Erbgut bedeuten angeblich immer eine negative Beeinträchtigung für das betreffende Individuum, etwa vergleichbar mit der zufälligen Manipulation im technischen Konstruktionsplan eines Flugzeuges (das daraufhin mit Sicherheit eher abstürzen als besser fliegen würde)! Die meisten Mutationen müssen also tödlich enden?!

MUTANTEN HABEN ES SCHWER

Selbst wenn sich eine Mutation als nicht tödlich erweist, sei das betreffende Individuum im Nachteil?! Beispiele: Ein Mops etwa würde im Gegensatz zu einem Wolf niemals in der freien Wildbahn überleben und Beutetiere reißen! Ebenso sind zahlreiche vom Menschen gezüchtete Kulturpflanzen auf Pflegemaßnahmen angewiesen, die es in der freien Natur niemals geben würde.

DYSFUNKTIONALE ZWISCHENFORMEN ?!

Ein evolutiver Umbauprozess kann angeblich nur über Zwischenstufen erfolgen, die dann nicht funktionieren würden?! Ein Beispiel: Wenn ich an einen VW-Käfer Breitreifen und einen Austauchmotor anbringen will, ist das Fahrzeug während der Umbaumaßnahmen nicht fahrbereit.

NATÜRLICHE AUSLESE: EIN SIEB DAS NUR „ARTTYPISCHE MERKMALE“ FÖRDERT ?!

Der natürliche Ausleseprozess kann angeblich keine neue Artbildung und keine Höherentwicklung begünstigen, da nur die arttypischen Merkmale selektiv stabilisiert werden?! Ein Beispiel: Wenn ein Regenwurm Augen bekäme, dann wäre er zwar höherentwickelt, wäre aber dennoch ein „schlechterer“, weil untypischer Regenwurm! Augen nützen einem Wurm gar nichts! Im Gegenteil: Er bräuchte dann auch noch zusätzlich Arme und Hände, um sich den Dreck aus den Augen zu reiben, der ihm beim Wühlen durch die Erde unweigerlich in die Augen geriete.

LÜCKEN IM FOSSILIENMUSTER ?!

Evolutionäre Übergänge zwischen verschiedenen Arten (Artensprung, Höherentwicklung) können angeblich nicht durch fossile Belege untermauert werden?!

Ebenso gäbe es Lebewesen, die einer Zwischenform von Arten entsprächen!

LEBENDE FOSSILIEN ?!

Heute noch lebende Tierarten, deren Baupläne schon sehr lange existieren (etwa Krokodile, Haie oder der Quastenflosser) seien angeblich ein Beleg für die Nicht-Existenz eines Evolutionsprozesses?! Warum hätten sich diese Tierarten sonst in all der langen Zeit nicht verändern sollen?!

Wie wir sehen sind die kreationistischen Einwände zahlreich und breit gefächert! Mitunter muten sie sogar, schon rein intuitiv, außergewöhnlich überzeugend an!

Aber menschliche Intuition ist nicht das Mittel der Wahl, naturwissenschaftlichen Erkenntnisse zu gewinnen und Zusammenhänge zu erfassen! Denken wir nur an die intuitiv „absurden“ aber nichtsdestotrotz unzweifelhaft bewiesenen Beispiele aus Quanten- und Relativitätstheorie (bspw. die Verschränkung von Quantenteilchen oder die Veränderlichkeit des Zeitstroms in Abhängigkeit zur Gravitation)!

Nachfolgend wollen wir uns diese ganzen kreationistischen Argumente und Einwände näher ansehen und auf „Praxistauglichkeit“ prüfen!

EVOLUTIONSTHEORIE – EINE IDEOLOGIE?!

Die Kreationisten sind darum bemüht einen imaginären Keil zwischen die Naturwissenschaften und die Evolutionsbiologie zu treiben! Ihrer Meinung nach entspricht die Evolutionsbiologie einer Geisteswissenschaft, weil ihre Aussagen angeblich weder durch experimentelle Befunde noch durch wissenschaftliche Beobachtungen gestützt werden können. Wie wir sehen werden, ist das Gegenteil der Fall!

Warum aber sollte eine signifikante Menge an Wissenschaftlern daran interessiert sein, eine abwegige oder zumindest nicht belegbare Hypothese als offizielle wissenschaftliche Theorie zu verkaufen?! Wie gewaltig müsste diese „Verschwörung“ sein, wenn länderübergreifend und dauerhaft wissenschaftliche Befunde und Beobachtungen gefälscht, ignoriert, abwegig interpretiert oder unter Verschluss gehalten würden?!

„DAS RECHT DES STÄRKEREN“

Die „Evolutions- Ideologie“ (wenn sie eine Ideologie wäre) könnte inszeniert worden sein, um menschlichem Macht- und Anspruchsdenken gerecht zu werden!

Charles Darwin schrieb (wenn auch nicht exakt so wie er im Deutschen oft zitiert wird) das „der Stärkere“ den Überlebenskampf gewinnen und den Lebensraum für sich und seine Nachkommen in Anspruch nehmen würde!  Eine gewaltige Aussage die auch Adolf Hitler dankbar aufgegriffen hat. Er postulierte den „Sieg der arischen Herrenrasse über den Untermenschen“!

Die Unstimmigkeit der Evolutionstheorie sei nach kreationistischer Lesart allein schon daran zu erkennen, dass es „schwache“, „wehrlose“, ja mitunter sogar buchstäblich „niedliche“ Tiere gibt! Die hätten ja im Zuge des Überlebenskampfes von bösen, zähnefletschenden Killer-Bestien ausgemerzt werden müssen, oder?!

DER „ÜBERLEBENSKAMPF“ – WAS MEINT DIESER BEGRIFF WIRKLICH ?

AUFGEPASST:
tatsächlich hat Darwin niemals behauptet, dass sich der Stärkere – also der an Aggression, Körperkraft und Beißwerkzeugen überlegene Typus, mit zwangsläufiger Gewissheit durchsetzen würde!

Er benutzte wohlweislich den englischen Begriff „the fittest“ (zu Deutsch  „der Tüchtigste„)! Das riecht zunächst erst einmal nach Haarspalterei! Aber die Unterscheidung existiert völlig zu Recht!

Wer also ist „der Tüchtigste“ und warum ist der „Stärkste“ nicht notwendigerweise immer „der Tüchtigste“?!

Der „Tüchtigste“ oder „Fitteste“ ist derjenige, der es im Vergleich zu seinen Mitkonkurrenten infolge einer stärkeren Anpassungsleistung schafft, eine höhere Zahl an überlebensfähigen Nachkommen zu produzieren und somit seine Gene umfangreicher weiterzuvererben! Welchen Anforderungen er gegenübersteht, bestimmt die Umwelt, nicht seine eigenen Präferenzen! Unter hinlänglich harten Umweltbedingungen mit z.B. starken Temperaturschwankungen, allgemeinem Nahrungsmangel, etc. ist eine sehr kleine, kaltblütige Lebensform mit geringem Nahrungsbedarf und geringstem Brutpflegeaufwand jedem theoretisch denkbaren „Monster“ an Raubtier überlegen!

Weitergabe der eigenen Gene: zwei grundlegende Strategien:

Die sog. „R“-Strategen produzieren massenweise Nachwuchs und praktizieren so gut wie keine Brutpflege! In diese Kategorie fallen u.a. Mäuse, Ratten und Fliegen.

Die sog. „K“-Strategen ziehen nur wenige Kinder auf, betreiben aber eine enorm aufwändige Fürsorge! Als Beispiele kann man hier Elefanten, Wale und Affen anführen, also Tiere mit langsamer reifenden, dafür aber komplexeren Gehirnen und ebenso komplexeren Verhaltensweisen!

Es gibt keine universellen Wertmaßstäbe für „Tüchtigkeit“ und „Fitness“! Die Bedeutung dieser Begriffe ergibt sich, wie im obigen Absatz schon erwähnt, nämlich erst aus den konkreten UMWELTBEDINGUNGEN, denen die betreffenden Populationen und Individuen ausgesetzt sind!

„….Insgesamt haben viele Fische, Säuger und Vögel hoch komplexe Brutpflegemuster entwickelt. Dieses altruistische (auf das Wohl anderer bedachter) Verhalten ist aber auch auf der Organisationsstufe niederer Tiere dokumentiert. Kooperation und Teilen von Nahrungsvorräten sind Prinzipien, die während der Phylogenese (=Stammesentwicklung, d.h. Entstehung und nachfolgende Disverisfizierung der höheren systematischen Einheiten) offensichtlich einen Selektionsvorteil mit sich gebracht haben. Die Fitness dieser Arten (Produktionsrate an fortpflanzungsfähigen Nachkommen) wurde offenbar durch altruistisches Verhalten erhöht statt erniedrigt- sonst wären sie längst ausgestorben!….“

aus „Evolutionsbiologie“ von U.Kutschera

Der Tüchtigste ist also der am besten Angepaßte!

Der „Überlebenskampf“ ist ein eher sinnbildlicher als wörtlicher Begriff! Das Buhlen um Ressourcen (Nistplätze, Nahrung, etc.) entspricht viel eher der tatsächlichen Natur des Überlebenskampfes als der direkte körperliche Kampf bis aufs Blut! Dieser tritt zwar mitunter als Ausdrucksform des Überlebenskampfes in Erscheinung, ist aber nicht das wesentliche Element dieses Begriffes!

Die Natur zeigt an vielen Beispielen, dass der „Überlebenskampf“ mitnichten immer von „höherentwickelten“ Lebensformen gewonnen wird!

Ein besonders krasseres Beispiel in diesem Sinne ist der BANDWURM:

Die Bandwürmer haben sich im Verlauf der Evolution nicht höherentwickelt, sondern sind sogar degeneriert!

„……..Ihre Vorfahren waren recht bewegliche Würmer. Sie besaßen ein Nervensystem, das die Kontraktionen ihrer vielen Muskelzellen so koordinierte, dass sich der ganze Wurm fortbewegen konnte. Es war in der Lage, die von den Sinneseingängen eintreffenden Signale so zu verarbeiten, dass der Wurm zielsicher dorthin kriechen konnte, wo keine Gefahr drohte, wo es etwas zu fressen gab und wo ggf. ein begattungsbereiter Partner zu finden war. Einigen dieser Würmer ist es später, als noch viel größere und kompliziertere Tiere entstanden waren, mit Hilfe ihres primitiven Gehirns gelungen, einen besonders angenehmen Lebensraum zu finden: den Darm. Dort gab es Nahrung im Überfluß, und dort drohte, solange der Wirt lebte, keine Gefahr. Sie verloren allmählich ihre Beweglichkeit. Außen an ihrem Kopf entwickelte sich ein Hakenkranz, mit dem sie sich festhalten konnten, und drinnen verschwand all das, was in diesem Wurm-Schlaraffenland nicht mehr gebraucht wurde. Ohne es überhaupt zu bemerken, hatten sie nicht nur ihr ohnehin nicht sehr großes Gehirn verloren, sondern bald auch die Fähigkeit, überhaupt noch eines herauszubilden.
Wie den Bandwürmern ist es bisher auch allen anderen Parasiten ergangen. Erst benutzen sie ihr Hirn besonders schlau, um sich ein bequemes Leben zu machen, und wenn sie das endlich geschafft haben, fangen sie an zu verblöden…………….“

Aus „Bedienungsanleitung für ein menschliches Gehirn“ von Gerald Hüther

Die beiden Spezies Mensch und Bandwurm verbindet also eine gravierende Gemeinsamkeit: Sie sind zu evolutionären Erfolgskonzepten geworden und zwar auf Wegen, die unterschiedlicher nicht hätten sein können! Der eine hat ein „Superhirn“ entwickelt, der Andere hat überhaupt kein Hirn mehr!

GENETIK UND VERERBUNG: EINE MODELL-POPULATION

Nehmen wir folgendes an: Ein Schiff sinkt im Pazifik. Eine Gruppe von Überlebenden gelangt auf eine unbewohnte, unbekannte Insel. Dort gibt es Nahrung und Wasser, so dass ihr Überleben grundsätzlich gewährleistet ist. Allerdings kommen sie niemals mehr von hier weg und werden auch niemals gefunden.

Wir haben jetzt eine Population an menschlichen Individuen. Die Gesamtheit ihrer Gene, also aller vorhandenen ALLELE der Gruppe bildet den Genpool dieser Population.  Der Begriff  „Allel“ bezeichnet eine mögliche Ausprägungsform eines Gens, darauf kommen wir in Kürze noch näher zu sprechen! Die Gesamtheit aller Gene eines einzelnen Organismus oder einer einzelnen Person bezeichnet man als dessen Genom. Der Genotyp oder das Erbbild eines Organismus repräsentiert seine exakte genetische Ausstattung, also den individuellen Satz von Genen, den er im Zellkern in sich trägt. Die genetische Information der gesamten Zelle wird als Idiotyp bezeichnet. Zwei Organismen, deren Gene sich auch nur an einem Locus (einer Position in ihrem Genom) unterscheiden, haben einen unterschiedlichen Genotyp. Der Begriff „Genotyp“ bezieht sich also auf die vollständige Kombination aller ALLELE eines Organismus.  Die Summe seiner äußeren Erscheinungsmerkmale wiederum wird als Phänotyp bezeichnet.  Genotyp und Phänotyp hängen natürlich zusammen, weil die genetische Ausstattung das äußere Erscheinungsbild mitbestimmt (Geschlecht, Körpergröße, Augen- und Haarfarbe, etc.) Eine Reihe an phänotypischen Merkmalen ist aber nicht genetisch vordefiniert, sondern sie ergeben sich aus den äußeren Umweltbedingungen denen das Subjekt ausgesetzt ist!  Ob jemand etwa mager oder fettleibig, muskulös oder schwächlich ist hängt zum Teil auch von der Nahrungssituation und der körperlichen Aktivität ab. Der Begriff der phänotypischen Plastizität bezeichnet die Schwankungsbreite, innerhalb derer äußere Erscheinungsmerkmale innerhalb bzw. auch zum Teil unabhängig von genetischen Anlagen variieren können. Hierzu gibt es folgende Grundregel: Je stärker eine Art, d.h. eine Fortpflanzungsgemeinschaft (=alles, was miteinander fortpflanzungsfähige Nachkommen zeugen kann) an spezifische Lebensbedingungen adaptiert ,d.h. angepasst ist, umso geringer ist das Ausmaß der phänotypischen Plastizität! Man wird bspw. kaum eine Schwalbe finden, die doppelt so groß oder schwer ist, wie eine „Durchschnittsschwalbe“! Zwischen erwachsenen Haifischen derselben Art und desselben Geschlechts hingegen gibt es mit Sicherheit z.T. gravierende Unterschiede was Größe, Kraft und Gewicht betrifft!

Die gesamten Gene eines Lebewesens liegen auf der DNA (=Desoxyribonukleinsäure) verstreut! Die DNA besteht aus Nucleidbasen, d.h. aus einer besonderen Art von Molekülen. Im Einzelnen heißen sie Adenin(A), Cytosin(C), Thymin(T) und Guanin(G). Die Abfolge oder die Anordnung dieser Nucleidbasen kodieren die genetische Information. Auf der DNA gibt es also „sinnvolle“ Informationen, das sind die Gene. Sie kodieren alle Körperfunktionen und –merkmale! Daneben gibt es nicht kodierende Abschnitte, auch „Chunk-DNA“ genannt. Die Menge der „sinnlosen“ Informationen ist größer und die Gene befinden sich verstreut zischen diesen nichtkodierenden Abschnitten. Die Sache wird sogar noch etwas komplizierter! Selbst innerhalb eines GENS gibt es kodierende und nichtkodierende, also sinnvolle und „funktionslose“ Abschnitte! Einen kodierenden Abschnitt innerhalb eines GENS nennt man INTRON, einen nicht kodierenden Abschnitt hingegen EXON!

Wo befinden sich eigentlich die Gene überhaupt?  Sie sind in jeder einzelnen Körperzelle vorhanden und befinden sich dort wiederum auf den CHROMOSOMEN! Die Chromosomen sind im Zellkern. Der Mensch hat bspw. 46 Chromosomen, auf denen sich durchschnittlich jeweils 1000 Gene befinden. Das kleinste menschliche Chromosom beherbergt allerdings nur 600, das Größte hingegen 3000 Gene! Ein vollständiger Chromosomensatz enthält einen kompletten DNA-Strang der sich über die Gesamtzahl der einzelnen Chromosomen verteilt! Jeder Mensch hat 2 Chromosomensätze, somit auch 2 DNA-Stränge und des weiteren 2 Varianten desselben Gens!  Es gibt auch Lebewesen die 3,4 oder noch mehr DNA-Stränge aufweisen! Man bezeichnet den Menschen wegen des doppelten Chromosomensatzes auch als ein diploides Lebewesen (Abkürzung 2n). Lebensformen mit 3 oder 4 Chromosomensätzen hingegen sind tri– bzw. tetraploid (3n bzw. 4n)! Zu noch höheren Ploidierungsgraden sagt man allgemein Polyploid! Menschliche Keimzellen (das sind männliche Samen- und weibliche Eizellen) hingegen haben nur einen Chromosomensatz und sind daher haploid.

Ein Allel ist eine der möglichen Ausprägungen eines Gens, das sich an einem bestimmten Ort (Locus) auf einem Chromosom befindet.

Allele Gene haben geringfügige Änderungen in der Basensequenz der DNA, wodurch das Gen variiert wird. So kann zum Beispiel das Gen, das für die Farbe einer Blüte verantwortlich ist, in zwei verschiedenen Ausprägungsformen vorkommen und bei der Pflanze entweder eine rote oder eine weiße Blütenfarbe hervorrufen. Entsprechend spricht man vom Allel für die rote oder vom Allel für die weiße Blütenfarbe. Es können aber auch mehr als zwei unterschiedliche Zustandsformen eines Gens vorkommen, das heißt, mehr als zwei Allele treten an einem Genort auf. Man spricht dann von multipler Allelie.

Da Menschen einen doppelten Chromosomensatz haben, kann jeder Mensch in seinen diploiden Zellen  auf den beiden homologen (=übereinstimmenden) Chromosomen am betreffenden Genort entweder zwei unterschiedliche Allele eines Gens oder aber zwei gleiche Allele des betreffenden Gens besitzen.

Ein ALLEL kann dominant, rezessiv oder intermedial in Erscheinung treten! Was bedeutet das? Folgendes Beispiel: Ich habe blaue Augen. Wenn beide ALLELE auf meinen zwei DNA-Strängen die Information „Du hast blaue Augen!“ kodieren, dann sind sie homozygot und ich bin in Bezug auf dieses Merkmal reinerbig! Wenn ein ALLEL hingegen sagt:“ DU hast blaue Augen!“, das andere aber „DU hast braune Augen!“; dann sind die ALLELE heterozygot und das bedeutet, ich bin in Bezug auf dieses Merkmal mischerbig! Wenn ich blaue Augen habe, obwohl die beiden Allele verschiedener Meinung darüber sind  und verschiedene Varianten derselben Information kodieren (blaue und braune Augen), dann ist das „blaue Allel“ dominant, weil sein Einfluss zum Tragen kommt. Das „schweigende“ Gen hingegen ist rezessiv! Ein rezessiv vererbtes ALLEL kann also nur im Falle von Reinerbigkeit seine Information entfalten, weil es andernfalls vom dominanten ALLEL unterdrückt wird! Intermedial ist eine genetische Information hingegen, wenn beide ALLELE eine Wirkung entfalten!

DIE MENDEL´SCHEN REGELN

Es gibt systematische Gesetzmäßigkeiten bei der Weitervererbung von genetischer Information, die ein gewisser Gregor Mendel untersucht und systematisch erfasst hatte.

Die mendelschen Regeln  beschreiben, wie die Vererbung von Merkmalen abläuft, deren Ausprägung von (nur) einem Gen bestimmt wird. Klassische, bereits von Mendel untersuchte Beispiele für solche Merkmale sind die Form und die Farbe von Erbsensamen und die Farbe von Erbsenblüten. Auch die Blutgruppen des Menschen gehören dazu. Die Regeln gelten zunächst nur für diploide Organismen, also solche die von beiden Eltern je einen Chromosomensatz erben, wie den Menschen, die meisten höheren Tiere und viele Pflanzen. Regeln für Organismen mit höherem Ploidiegrad (also mit mehr al 2 Chromosomensätzen) lassen sich jedoch ebenfalls daraus ableiten.

Die 3 primären Menel`schen Regeln sind die „UNIFORMITÄTSREGEL“, DIE „SPALTUNGSREGEL“ sowie die „UNABHÄNGIGKEITS – und NEUKOMBINATIONSREGEL“.

Da ich meine Leser nicht auf eine Biologiestudium vorbereiten will und kann, verzichte ich an dieser Stelle auf nähere Ausführungen und verweise den Detailinteressierten Leser an das Internet-Lexikon WIPIKEDIA!

Für unsere Betrachtungen ist hier nur folgendes wichtig:

Diese besagten Regeln limitieren die Menge an Abweichungen, die im Genom einer Gamete (=befruchtete Eizelle) durch Rekombination (auf diesen Begriff kommen wir im nächsten Abschnitt!) der elterlichen Gen-Allele entstehen! Daher behaupten die Kreationisten, die Mendel`schen Regeln seien der Beweiß für die Unmöglichkeit einer existierenden Makro-Evolution! Die Überlegung an sich ist zwar nicht schlecht! Wir werden jedoch sehen: sie ist dennoch falsch!

„NORMALE“ GENETISCHE VERERBUNG

Ehe wir auf die Evolutionsmechanismen (vor allem Mutationen) zu sprechen kommen, sehen wir uns erst mal die „normale Weitervererbung“ genetischer Information genauer an! Wir erinnern uns zurück an unsere schiffbrüchige Insel-Gesellschaft! Nehmen wir an sie haben sich gut eingelebt, ein paar Behausungen gezimmert und die Nahrungs- und Trinkwasserversorgung irgendwie gemeistert. Nun wo sie gröbsten Schwierigkeiten im Griff haben können sie sich mehr um das Zwischenmenschliche kümmern und es finden Liebespaare zusammen!

Was geschieht, wenn ein Kind gezeugt wird? Nun folgendes: Wir wissen, dass sich in jeder Körperzelle 2 Chromosomensätze und ergo 2 DNA-Stränge befinden! Bei der „normalen Zellteilung“ die sich stetig in allen unseren Organen und Geweben abspielt, teilt sich zunächst auch das Chromosom um sich anschließend zu verdoppeln, d.h. aus der sich teilenden Mutterzelle werden zwei identische Tochterzellen mit jeweils demselben Ursprungsgenom! Wenn aber KEIMZELLEN (das sind männliche Spermien und weibliche Eizellen) gebildet werden, passiert etwas anderes! Aus dem doppelten Chromosomensatz wird ein einfacher! Dabei vollzieht sich ein Roulette-Spiel weil nur 50% aller Allele eines Chromosomensatzes in das Genom der Keimzelle eingebaut werden können! Man nennt diesen Vorgang in der Biologie „Rekombination“. Folgende Analogie soll den Sachverhalt veranschaulichen: Stellen wir uns eine zweispurige Fahrbahn vor auf der zwei PKW-Schlangen (die beiden Chromosomensätze mit der jeweiligen Gesamt-DNA) mit jeweils 24 Autos exakt nebeneinander herfahren! Die Autos beider Kolonnen sind in Bezug auf die Marke und das Modell absolut identisch! Vorne weg fährt bspw. ein Audi A4, dahinter ein BMW 320, danach ein Golf, ein Fiat,…. Die Fahrzeuge der linken Schlange sind jedoch alle gelb (das sind die A- Allele), die der rechten allesamt rot (die B-Allele). Nun verengt sich die Fahrbahnbreite und wird einspurig (analog: die Keimzellenbildung). Die Autos fädeln aber nicht ein wie beim Reißverschlußverfahren, sondern sie stoßen sich gegenseitig am Verengungspunkt von der Straße runter, so dass zufallsbedingt immer nur eines von 2 identischen Fahrzeugmodellen weiterfährt (mal ein rotes, mal ein gelbes- je nachdem, wer wen zufällig links oder rechts von der Straße abdrängt)! Danach gibt es nur noch eine der ursprünglich 2 PKW-schlangen und zwar in ihrer ursprünglichen Länge, aus denselben Fahrzeugmodellen bestehend, in der nun jedoch rote und gelbe Autos gemischt sind! Folgendes ist zu beachten: Die Keimzellenbildung vollzieht sich innerhalb von 2 Phasen! In der ersten kommt es zu einer intrachromosomalen Rekombination, die man auch als „crossing over“ bezeichnet. Die metaphorischen Autos stehen hier nicht für komplette Chromosomen, sondern nur für Allele, also für Abschnitte der DNA bzw. für Basensequenzen! In der 2. Phase hingegen erfolgt die Rekombination interchromosomal, d.h. dass nur vollständige Chromosomen selektiv in jenen Chromosomensatz der Keimzelle eingebaut werden! Hier stehen die bildhaften, sich gegenseitig abdrängenden Autos für komplette Chromosomen!

Kommen männlicher Samen und weibliche Eizelle im Mutterleib zusammen, dann verdoppelt sich auch das Genom dieser Gamete (=befruchtete Eizelle) wieder auf zwei Chromosomensätze, von denen jeder einzelne im Vorfeld durch crossing-over und Rekombination im väterlichen bzw. mütterlichen Körper aus ursprünglich 2 Sätzen  gebildet wurde!  Auch diese Wieder-Zusammenführung der 2 elterlichen Chromosomensätze in der befruchteten Eizelle nennt man RE-KOMBINATION!

Mein eigenes doppeltes Genom wurde also unter Bildung neuer ALLELE aus den insgesamt 4 Chromosomensätzen meiner Eltern gebildet! Würden Crossing-Over und Rekombination bei der Keimzellenbildung ausbleiben, würden sich die Chromosomensätze im neuen entstehenden Lebewesen aufaddieren! So etwas gibt es in der Natur mitunter tatsächlich, passiert aber grundsätzlich nur bei Pflanzen! In der Biologie gibt es hierfür den etwas krass klingenden Begriff der „Additionsbastarde“! Im Zuge der sog. „Symphatrischen Artbildung“ können durch solche Vorkommnisse sogar Artensprünge erfolgen. Dies ist aber selten und gewiss kein primärer Faktor für die Evolution im Allgemeinen.

EVOLUTIONSFAKTOREN – WANN GESCHIEHT EVOLUTION ?

Evolution ist kein beständig fließender Prozess! Er verläuft in Schüben und ist durchaus an gewisse Bedingungen gebunden! Wie wir wissen, sind die Hauptfaktoren für Evolutionsgeschehen Mutationen (zufällige Veränderungen im Erbgut) und selektierende Umwelteinflüsse!

Die Mendel`schen Regeln scheinen auf den ersten Blick den Kreationisten in die Segel zu blasen! Die Wissenschaft kennt jedoch seit 1942 die Lösung für diesen scheinbaren Widerspruch zwischen den Konsequenzen aus den Mendel`schen Regeln und der Möglichkeit der Artbildung! Ernst Mayr erwies sich durch sein Hauptwerk “ Systematics and the Origin of Species“ als Wegbereiter der synthetischen Evolutionstheorie, die durch zahlreiche Indizien und Beweise belegt werden kann.

Damit sich das Erbgut von Lebewesen nachhaltig von jener einer Ursprungsart ausdifferenziert und schließlich ein Artensprung eintritt (d.h. die neue Lebensform kann mit der vorherigen keine Nachkommen mehr zeugen und ist somit reproduktiv isoliert) müssen gewisse Voraussetzungen gegeben sein:

 RÄUMLICHE ISOLATION

Primär entscheidend ist hierbei die räumliche Trennung einer TEILPOPULATION von einer größeren Hauptpopulation, so dass sich ein variierender Genpool ausbilden kann und die Mutationen in der Keimbahn fixiert und somit weitervererbt werden. Idealer, wenn auch nicht unabdingbar zwingenderweise, sollten auf die jeweils getrennten Populationen abweichende Selektionsdrücke ausgeübt werden. Räumliche Isolation wird durch geografische Barrieren wie Meere, Gebirge, Flüsse oder Wüsten bedingt. Ursachen hierfür konnten etwa in Form von Gebirgsentstehung, Kontinentaldrift und Eiszeiten vorgelegen haben.

SELEKTION

Die Selektion ist die natürliche Auslese durch die Umwelt. In den meisten Populationen werden viel mehr Nachkommen erzeugt, als in ihrem Lebensraum überleben können. So sterben viele Individuen einer Generation, bevor sie sich fortpflanzen können oder bekommen sehr wenige Nachkommen. Die Häufigkeiten der Allele vieler Gene ändert sich und die Individuen leisten einen unterschiedlichen Beitrag zum Genpool. Dadurch werden vorteilhafte Phänotypen ausgewählt.

ARTEN DER SELEKTION

 STABILISIERENDEN SELEKTION

Diese findet dann statt, wenn die Individuen einer Population über viele Generationen hinweg unter konstanten Umweltbedingungen leben. Individuen, die nahe am Mittelwert der Population liegen, zeigen eine höhere Fitness. Extreme bzw. vom Mittelwert abweichende Phänotypen können sich nicht durchsetzen. Somit führt stabilisierende Selektion zu einer geringeren phänotypischen Variabilität (d.h. die Individuen ähneln sich untereinander viel mehr)! Homozygote (=reinerbige, mit übereinstimmenden Allelen auf den Chromosonensätzen) Individuen haben hier gegenüber den heterozygoten (=mischerbigen, mit 2 verschiedenen Allelen auf den Chromosonensätzen) Individuen einen Selektionsvorteil. Diese Form der Selektion entspricht jener, die die Kreationisten als einzig und allein möglich und relevant erachten!

TRANSFORMIERENDE ODER DIREKTIONALE SELEKTION

Transformierende (auch als dynamische, direktionale, verschiebende oder gerichtet bezeichnete) Selektion liegt vor, wenn die Träger eines Merkmals, das am Rand des Merkmalsspektrums der Population liegt, begünstigt werden. Muss sich z.B. eine Population an neue Umweltfaktoren anpassen, werden die Individuen bevorzugt, die bereits ursprünglich besser an die veränderte Umwelt angepasst waren (Präadaption) und/oder die sich besser an die neuen Bedingungen anpassen. Dies führt zu einer Veränderung des Genpools. Bleibt die Umweltveränderung über längere Zeit konstant, kommt es zum Artenwandel.

DISRUPTIVE SELEKTION

Bei der disruptiven (aufspaltenden) Selektion werden die Formen, die am häufigsten vorkommen zurückgedrängt, z.B. aufgrund von Parasiten, Fressfeinden oder ansteckenden Krankheiten. Individuen, die seltene Merkmale besitzen, haben dann einen Vorteil (zum Beispiel die besonders kleinen und die besonders großen Individuen). Diese Individuen können durch ihre spezifischen Merkmale sog. ökologische Nischen besetzen, was Ihnen einen evolutionären Vorteil, beispielsweise bei der Nahrungsbeschaffung, bringen kann. Man nennt das auch adaptive Radiation (die Besetzung der Nischen). Eine solche disruptive Selektion kann zu einer bimodalen Häufigkeitsverteilung führen und hierdurch zu einer Aufspaltung der Populationen in letztlich zwei getrennte Arten.

SEXUELLE SELEKTION

Diese der Vollständigkeit halber erwähnte Form der Selektion beschreibt den Sachverhalt, dass sich Individuen aufgrund persönlicher Vorlieben für einen konkreten Geschlechtspartner entscheiden und nicht mit dem nächstbesten Artgenossen Nachkommen zeugen, der ihnen zufällig über den Weg läuft! Wir Menschen haben diesbezüglich mitunter sehr komplexe und überaus bewusste Entscheidungskriterien! Aber auch bei sehr vielen Tierarten muss die „Sympathie“ zwischen den Paaren stimmen! Viele Zoodirektoren wurden schon von paarungsunwilligen Tieren zur Verzweiflung gebracht, die jegliche Nachzucht-Bemühungen zu boykottieren pflegten!

WEITERE EVOLUTIONSFAKTOREN:

 Ökologische Isolation

Davon spricht man, wenn verschiedene Populationen einer Art im selben Gebiet leben, jedoch die Ressourcen auf unterschiedliche Weise nutzen, d.h. unterschiedliche ökologische Nischen besetzen. Dies kann dazu führen, dass sich die Mitglieder der verschiedenen Populationen trotz räumlicher Nähe nicht mehr begegnen und untereinander fortpflanzen. Kommt es in den verschiedenen Populationen zu Mutationen, die zur reproduktiven Isolation führen, haben sich neue Arten etabliert. Die unter dem Begriff „Darwin-Finken“ zusammengefassten Vogelarten der Galapagos-Inseln belegen eindrucksvoll die Entstehung neuer Arten infolge solcher Nischenspezifikation!

GENDRIFT

Damit ist eine zufallsbedingte Änderung des Genpools mit nachfolgender transformierender Selektion gemeint. Sie ist in kleinen Populationen wirksamer als in großen. So kann zum Beispiel bei einer Naturkatastrophe oder einer Seuche eine Gruppe von Trägern bestimmter Merkmale plötzlich aussterben. Es breitet sich der überlebende Teil der Population mit etwas anderer genetischer Zusammensetzung aus, beim zufälligen Überleben nachteiliger Mutanten breiten sich sogar diese aus.

Migration

Dieser Begriff bezeichnet die Ein- und Auswanderung von Teilpopulationen in ein Biotop.

Vertikaler und Horizontaler Gentransfer

Ersteres bezeichnet die Übertragung eines Gens an einen Nachkommen des Individuums. Das ist innerhalb der Art bei einer klassischen Kreuzung, oder zwischen nah verwandten Wildpflanzen auf geschlechtlichem Wege (z.B. durch Pollen) der Fall.

Als horizontaler Gentransfer wird eine Übertragung von Genen außerhalb der geschlechtlichen Fortpflanzung und über Artgrenzen hinweg bezeichnet.

Das funktioniert nur bei (einzelligen) Mikroorganismen und steht hier für eine Möglichkeit zur Erklärung von Entwicklungssprüngen in dieser Kategorie von Lebensformen.

Hybridisierung

Ein Hybrid ist ein Mischling zwischen nah verwandten Arten die nicht rigoros reproduktiv isoliert sind. Ein Maultier (entsteht durch Kreuzung aus Pferd und Esel und kann sich nicht fortpflanzen) ist ein Beispiel dafür. In freier Wildbahn sind in seltenen Fällen u.a. Zebra-Hybriden aufgetaucht.

Ein besonderer artbildender Prozess:
Die „SYMPHATRISCHE ARTSPALTUNG„ (durch Polyploidisierungsvorgänge)

Wir erinnern uns daran, was wir über die Chromosomen gelesen haben: Bei der Keimzellenbildung wird die Zahl der Chromosomensätze normalerweise halbiert! Bei dieser Form der Artbildung geschieht dies wegen irregulärer Vorgängen beim Crossing-Over nicht!

Es werden zwei Formen unterschieden:

Allopolyploidisierung: (allo = verschieden) Nach einer Artkreuzung (oder auch Gattungskreuzung), die normalerweise zu unfruchtbaren (sterilen) Mischlingen führt, erfolgt durch (zufällige) Verdoppelung des Chromosomenbestandes (Genom-Mutation) ein polyploides Lebewesen, welches normale Fruchtbarkeit zeigt.

Autopolyploidisierung: (auto = selbst) Hier erfolgt die Verdoppelung des Chromosomensatzes ohne eine vorhergehende Artkreuzung. Die Nachkommen sind streng tetraploid (hier: vier gleiche Chromosomensätze). Beispiel: Tetra-Roggen

Artbildung durch Polyploidisierung ist ein schlagartiger Isolationsvorgang, der von Individuen ausgeht und zu neuen Arten führt, die mit den Ausgangsformen nicht fruchtbar kreuzbar sind. Artbildung durch Polyploidisierungsvorgänge spielt nur im Pflanzenreich eine Rolle, da es bei polyploiden Tieren zu Störungen in der Geschlechtsausbildung kommt.

AUSBLEIBEN VON EVOLUTIONSFAKTOREN:
DIE „OPTIMALE POPULATION“

Kommen wir nochmals auf unsere Modell-Population von gestrandeten Menschen auf einer einsamen Insel zurück! Nehmen wir an sie bzw. ihre Nachkommenschaft leben 1000 Jahre vom Rest der Welt unentdeckt auf dieser Insel, ehe sie dann doch noch gefunden werden. Würden sich diese Menschen dann in Bezug auf ihre genotypische Beschaffenheit und ihr phänotypisches Äußeres vom Rest der Welt irgendwie unterscheiden? Wären sie bspw. größer oder kleiner oder hätten sie außergewöhnliche Merkmale?

Ob rein theoretisch ein „Artensprung“ eingetreten sein könnte, die Insel-Bewohner also gar nicht mehr in der Lage wären, mit den anderen Menschen gemeinsame Nachkommen zu zeugen, soll hier keiner näheren Betrachtung unterzogen sein. Die 1000 Jahre (eine subjektiv und intuitiv „unvorstellbar“ lange Zeit) wären, falls dies (hier und konkret auf den Fall bezogen) möglich sein sollte, ein viel zu kurzer Zeitraum dafür.

Satteln wir das Pferd aber mal von der anderen Seite auf: Unter welchen Umständen würden die Insel-Nachfahren keine oder nur allergeringste genotypische und phänotypische Unterschiede zum „normalen Menschen“ aufweisen?

DIE „OPTIMALE“ POPULATION

Innerhalb einer sog.“ Optimalen Population“ würden sich keine Evolutionsmechanismen abspielen! Zur Bildung einer „Optimalen Population“ wäre es erforderlich, dass eine sog. PANMIXIE stattfindet. Panmixie bedeutet, dass sich jedes Individuum einer Population mit jedem anderen des anderen Geschlechtes mit gleicher Wahrscheinlichkeit paart. Die daraus erfolgende regelmäßige Durchmischung des Erbguts verhindert die Veränderung des Genpools.

Eine optimale Population weist folgende Kriterien auf:

-Eine sehr große Individuenzahl: Der zufällige Verlust eines Individuums oder Gendrift verändert praktisch nicht die Häufigkeit der Allele, was bei einer kleinen Population hingegen relativ große Auswirkungen hätte.

-Die angesprochene Panmixie (gleichmäßige Durchmengung der Allele).

-Es gibt keine Selektion, somit also weder Selektionsvorteile noch -nachteile für die Träger bestimmter Gene (Genotyp), die sich phänotypisch auswirken.

-Es finden keine Mutationen statt (bzw. sie werden im anschließenden Generationenwechsel wieder selektiv eleminiert)

-Es finden keine Zu-und Abwanderungen (Migration) statt, die die Allelfrequenz verändern.

Die „optimale Population“ befindet sich somit im sog. „Hardy-Weinberg-Gleichgewicht“ und besteht aus isozygoten Individuen, in der sich weder die Häufigkeiten der Allele noch die Häufigkeit der Genotypen verändern, da diese sich im modellierten Gleichgewicht befinden. Unter Reinerbigkeit versteht man, wie schon erwähnt, wenn die Allele für ein genetisches Merkmal auf beiden Chromosomensätzen identisch sind. Ansonsten läge Mischerbigkeit oder Heterozygotie vor! Der soeben gefallene Begriff der ISOZYGOTIE bedeutet eine Steigerung von Homozygotie! In diesem Fall sind nicht nur manche, sondern sämtliche Allele im Genom eines Individuums gleicherbig!

Das „Hardy-Weinberg-Gleichgewicht“ kommt in der Natur aber im Prinzip nie vor! Auch auf unserer Insel würde es wohl nicht dazu kommen, einzig und allein schon aufgrund bestehender sexueller Vorlieben und somit gezielter Partnerwahl der Bewohner!

DER ZUFALL IM EVOLUTIONSGESCHEHEN – ARTEN VON MUTATIONEN

Es widerstrebt unserer natürlichen menschlichen Vorstellung, dass zufällige Ereignisse konstruktive Wirkung entfalten können! Die Kreationisten argumentieren – übereinstimmend mit dem „normalen“ menschlichen Bauchgefühl – etwa folgendermaßen:

„Wenn ich im Konstruktionsplan eines Flugzeuges irgendeine zufällige Veränderung vornehme, vermindere ich die technische Qualität dieser Maschine! Ein Absturz wäre allenfalls wahrscheinlicher als eine Leistungsverbesserung! Nun ist aber ein pflanzlicher, tierischer oder menschlicher Organismus etwas viel komplexeres als jede technische Maschine! Zufällige Mutationen im Erbgut müssten ebenfalls schädigende oder tödliche Wirkung entfalten!“

Selbstverständlich gibt es auch krankmachende und tödliche Mutationen! Aber das ist nicht die ganze Wahrheit!

Sehen wir uns erstmal an welche Mutationsformen ungeachtet ihrer Wirkung überhaupt existieren:

ARTEN DER MUTATIONEN 

Es gibt drei Möglichkeiten: Genom-, Chromosomen- und Genmutationen.

Genom-Mutationen sind Vorgänge, die zu einer Änderung der Chromosomenzahl des Organismus führen. Bei Gen-Mutationen kommt es zu einer Änderung einzelner oder mehrerer Basenpaare der DNA innerhalb eines Chromosoms (z.B. Austausch des Nuleotidpaares C-G durch A-T). In der diploiden Zelle entstehen hierdurch Allele (abweichende Variationen) der ehemals gleichen Vorläufer-Gene.

Bei Chromosomen – Mutationen hingegen werden einzelne Bereiche innerhalb der Chromosomen in ihrer Struktur verändert. Dies kann in Form einer Verlagerung bzw. Verdrehung (Translokation, Inversion) oder durch Einbau (Insertion) bzw. Verlust (Deletion) von Chromosomenregionen geschehen. Voraussetzung für solche Ereignisse sind Brüche in der DNA-Doppelhelix an mindestes 2 Stellen. Zumeist werden sie korrekt repariert. Es kann aber auch sein, dass von zwei verschiedenen Brüchen die falschen Stellen zusammengefügt werden. Was dann genau passiert hängt u.a. davon ab, ob die Bruchstücke auf demselben Chromosom liegen!

Die Rolle des Zufalls im Evolutionsgeschehen wird im Allgemeinen falsch wahrgenommen!

„……..Der Begriff Zufälligkeit der Erbänderung bedeutet hier nicht, dass alles an den Mutationen des Erbgutes zufällig wäre. Der Eintritt eines solchen Ereignisses ist zwar zufällig, hat aber durchaus nicht bei allen Genen und zu allen Zeiten die gleiche statistische Wahrscheinlichkeit. Mit der Zufälligkeit der Mutationen ist gemeint,
dass die Richtung und die Stärke der Auswirkung einer genetischen Änderung nicht vorhersagbar ist………..“

 siehe „Das Geheimnis des aufrechten Gangs“ von C. Niemitz S. 16

Die Kreationisten arbeiten mit Wahrscheinlichkeitsberechnungen! Sie knöpfen sich bspw. ein bestimmtes Organ (etwa das Auge) vor und beschreiben es mit mathematischen Parametern: Die Wölbung der Linse, die Größe der Pupille, die Stärke des Innendruckes, das Verhältnis verschiedener Rezeptoranteile, die Nerven-und Muskelanbindungen, die Dicke der Lider, etc., etc.

Dann postulieren sie zweierlei:

  1. Nur in exakt dieser Form und Anordnung, exakt diesen Parametern, mit exakt diesen Einzelbestandteilen kann die Funktionalität eines solchen Organes überhaupt möglich sein! Alle denkbaren anderweitigen Varianten und Konfigurationen wären unbrauchbar!
  2. Dieses Organ muss in einem einzigen oder zumindest innerhalb weniger großen Schritten entstanden sein! Eine sukzessive Entstehung wäre nicht möglich, da diese nur über „dysfunktionale Zwischenstufen“ erfolgen könnte!

Auch für Punkt 2 bedient man sich gerne wieder Vergleichen zu technischen Gebilden, etwa so: „Wenn ich einen VW-Käfer tune und bspw. Breitreifen anbringen will, muss ich ihn vorher aufbocken und die alten Reifen abmontieren! In diesem Zustand ist er aber nicht fahrbereit!“ Eine Lebensform die evolviert müsste – so die kreationistische Vorstellung – während der Veränderungsphase ebenso „unbrauchbar“ rumstehen wie ein VW Käfer ohne Reifen!

Man spricht hier auch von der Hypothese der „nichtreduzierbaren Komplexität“! Die Behauptung, dass gewisse Strukturen oder Organe nur über unzählige, gleichzeitige passgenau aufeinander abgestimmte Mutationen entstehen haben können, resultiert nicht aus der Kenntnis, dass dieselben nur mit einer astronomischen Unwahrscheinlichkeit über Zwischenstufen entstanden sein konnten. Die Aussage basiert umgekehrt auf der Unkenntnis, über welche Zwischenschritte und –funktionen dies geschehen sein könnte!

Wenn ich ein menschliches Auge rückwirkend minimal verändere (bspw. die Linsenkrümmung oder die Entfernung von Netzhaut zu Linse), stimmt die Gesamtfunktionalität nicht mehr und die betreffende Person kann tatsächlich nichts mehr sehen! Das bedeutet aber nicht das die Entstehung des Auges in genau solchen abgehakten Schritten verlaufen ist, wie man sie rein theoretisch mechanisch mit dem Skalpell rückgängig machen könnte!

Die Komponenten eines Organs oder einer Funktionsleistung (etwa Proteintypen) könnten sich unabhängig voneinander entwickelt haben und ursprünglich andere, vielleicht auch mehrfache Funktionen gehabt haben!

Technische Gerätschaften müssen einen vorher bestimmten Zweck erfüllen! Ein Hubschrauber muss fliegen, ein Schiff schwimmen, ein U-Boot tauchen können usw.

In der Evolution aber gibt es keinen vorweg definierten Zielzustand (abgesehen von der grundsätzlichen Lebens- und Reproduktionsfähigkeit)!

Wodurch zeichnen sich aber die „Grundfunktionen“ aller Lebewesen aus?  Was ist Leben? Zunächst wollen wir akzeptieren, dass es sich um einen -gerade auch in philosophischer Hinsicht- unerschöpflichen Begriff handelt.

Dennoch kann man ihn von der biologischen Seite her durchaus definieren, indem man typische charakteristische Merkmale von Lebewesen betrachtet: Dazu zählen: Energie- und Stoffaustausch mit der Umgebung, Reaktion auf Umweltveränderungen, Wachstum, Fortpflanzung, Selbstregulierung und bei komplexeren Formen auch Zweckverfolgung.

Zu diesen Leistungen sind alle Lebewesen fähig, und zwar unabhängig davon, ob sie Flügel, Augen oder sonst was haben! Auf der Erde wurde schon „geatmet“, lange bevor es Lungen gab und es wurden schon Nährstoffe aufgenommen, lange bevor es Mägen, Därme und Bauchspeicheldrüßen gab! Lungen sind bspw. eine Möglichkeit zur Sauerstoffaufnahme, aber nicht die einzige! Es gibt auch Kiemen (Fische) und Pflanzenmitochondrien, die mit Hilfe des Sonnenlichtes Energie und Sauerstoff gewinnen, also „atmen“.

Ein Bakterium hat keinen Mund und kein Gebiss, keinen Magen und keinen Darm. Aber es kann Nährstoffe aufnehmen und Abfallstoffe ausscheiden- wie ein Mensch! Es hat auch keine Beine, kann sich aber fortbewegen! Es kann auch „lebensfeindliche“ und „lebensfreundliche“ Umweltbedingungen (etwa in Form von Salzkonzentrationen in der Umgebungsflüssigkeit) erkennen bzw. unterscheiden und „gezielt“ durch räumliche Fortbewegung vermeiden oder aufsuchen, zeigt also  auf tiefer Ebene ein „Verhalten“!

Solche „Funktionalitäten“ werden innerhalb sehr unterschiedlicher (Bauplan)konzepte erreicht und bewahrt! Auch in einem sich ändernden System (einem Organismus) bleiben diese Funktionalitäten infolge rückkoppelnder Effekte und diverser Eigengesetze nichtlinearer Systeme (dazu gleich mehr) erhalten! Die Entstehung eines komplexen Organs (etwa einer Lunge) ist nicht als autonomer (vom Gesamtsystem isolierter) Vorgang anzusehen, sondern sie vollzog sich innerhalb der besagten Eigengesetzlichkeiten!  Morphogenetische Veränderungen sind immer weitgefächerte Prozesse bei der es i.d.R. keine strikte Entkopplung zwischen Organ und Organismus gibt!

Wenn ich etwa jogge, passieren in meinem Körper viele Dinge gleichzeitig: Der Blutdruck, die muskuläre Sauerstoffzufuhr, die Muskelspannung, die Atemfrequenz, die Konzentration von Stoffwechselendprodukten (etwa Laktat), die Körpertemperatur usw. steigen! Die Konzentration mancher Hormone und Neurotransmitter (etwa Testosteron, Dopamin) steigen ebenfalls, diejenige anderer (etwa Kortisol) hingegen sinkt! Das Ganze wird vom vegetativen Nervensystem innerhalb weniger zentraler Hirnstrukturen geregelt! Da sitzt aber kein kleines Männchen drin das zahlreiche „Drehzahlmesser“, „Tachostände“ und „Druckanzeigen“ überblickt und infolge der registrierten Werte irgendwelche Hebel und Tasten bedient, damit etwa der Blutdruck und die Atemfrequenz in einer bestimmten Relation zueinander stehen! Diese Effekte beeinflussen und koordinieren sich vielmehr gleichzeitig und wechselwirkend („Rückkoppelung“)! Nichtlinearität bedeutet hier, dass ein bestimmter Parameter (etwa der Herzschlag) nicht von einer einzigen anderweitigen Ursache (z.B. vom Sauerstoffgehalt des Blutes), sondern von mehreren Ursachen (z.B. Muskelspannung, Laktatanreicherung in der Blutbahn, etc, etc,..) gleichzeitig und zudem nicht in einem strikt proportionalem Verhältnis beeinflusst wird! Ich kann also nicht sagen, dass der 10 % ige Anstieg an einem bestimmten Streßhormons eine exakt 15 % ige Erhöhung des Herzschlages verursacht, da die beiden Parameter nicht ausschließlich miteinander, sondern vor dem Hintergrund eines viel größeren Gesamtkontextes miteinander wechselwirken!

Vielleicht noch ein anderes Beispiel: Wenn ich zum Blutspenden gehe, gleicht der Körper den Verlust an Flüssigkeit anschließend aus, d.h. binnen einer gewissen Zeitspanne wird meine Blutmenge wieder die für meinen Phänotyp übliche Quantität aufweisen! Dabei ist es unwichtig ob ich Bier, Limo, Milch oder Apfelschorle trinke! Der Organismus kann aus verschiedenen Ausgangsstoffen durch Assimilierungsprozesse die notwendige Palette an Substanzen herstellen, um seine verschiedenen Gewebe- und Flüssigkeitstypen erzeugen zu können! Bei einem Auto wäre es anders: Geht Bremsflüssigkeit verloren, muss auch Bremsflüssigkeit nachgefüllt werden (und zwar in den richtigen Kreislauf) und nicht etwa Motoröl, Kühlflüssigkeit oder eine Flüssigkeit für die Klimaanlage oder die Servopumpe! Ebenso wenig kann das Auto eine gewisse Menge an Motoröl in Brems- oder Kühlflüssigkeit umwandeln, während ein lebender Organismus aus „demselben Input“ durch Variation seiner enzymatischen Prozesse verschiedenerlei „Betriebsstoffe“ erzeugen kann!

Eine morphogenetische (evolutive) Veränderung in einem Körperbauplan beeinflusst ebenso nach dem Prinzip von Wechselwirkung und Rückkoppelung das gesamte Bauplankonzept und ruft ggf. Folge- bzw. Begleiterscheinungen hervor! Ein Vogel dessen Schnabelanatomie evolviert (etwa Zunahme an Länge, Breite und somit auch an Gewicht) verändert ggf. auch die Flügelstellung oder die Flügelfläche (etwa durch größere Federn)!

In einem pseudowissenschaftlichen Kreationisten-Film wird u.a. behauptet, die evolutive Entstehung von Giraffen aus pferdeähnlichen Vorfahren wäre aus dem Grunde abwegig, weil eine Giraffe gleichermaßen verlängerte Beine, einen längeren Hals und ein besonderes Blutdrucksystem aufweist. Mehrere parallel eintretende Bauplanveränderungen werden hier ohne Angabe von Gründen als absurd bezeichnet. Vielmehr hätten diese Veränderungen (warum auch immer) nur nacheinander eintreten können. Aus dieser Prämisse wird nun folgendes abgeleitet: Ein verlängerter Hals ohne längere Beine machen das Tier langsam und zu einer leichten Beute. Längere Beine ohne einen längeren Hals wiederum würden dazu führen, dass das Tier verdursten muss, weil es mit dem Kopf den Boden nicht mehr erreichen kann!

Tatsache ist, dass gravierende morphogenetische Veränderungen je nach Art und Stärke geradezu zwangsläufig mehrere Komponenten des Gesamtsystems gleichzeitig beeinflussen!

Auf dem Weg zur Entwicklung solcher Augen, wie wir Menschen sie haben (mit Cornea, Iris, Linse, Pupille, verschiedenen differenzierten Sehzellen für verschiedene Farben) hat die Natur einen weiten Weg durchschritten! Insektenaugen sind nicht annähernd so komplex wie menschliche- aber auch Bienen und Fliegen können sehen! In einem sehr eingeschränkten Umfang können auch Tiefseebewohner mit Seh-Pigmenten „sehen“. Im Bereich der Technik würde man sagen: Lieber nicht fliegen als sich in ein imperfektes Flugzeug setzen! In der Natur hingegen heißt es: Lieber ein imperfektes Auge als gar keines! Ist eine vorteilhafte Änderung erstmal genetisch fixiert (was insbesondere in einer räumlich isolierten Teilpopulation „zügig“ geschehen kann), erfolgt wegen der beständigen Reproduktionsleistung kein kollektiver Rückschritt zum vorherigen Zustand! Nachteilhafte Änderungen setzen sich innerhalb weiterer Generationenabfolgen nicht weiter durch, vorteilhafte Veränderungen hingegen erfahren eine selektierende Förderung und werden wieder fixiert! Auf diese Weise können sich auch sehr komplexe Organe und Organismen bilden, ohne dass ein Konstruktionsplan unzählige Zwischenschritte vorauswirkend definieren müsste!

Es gibt also nicht ein einziges, sondern mehrere denkbare funktionale Konzepte, aufgrund derer Vorgänge wie Atmung, Verdauung und Fortpflanzung funktionieren können! Die Natur hat – wie wir gesehen haben- auch sehr wohl verschiedenartige Konzepte für eine identische „Aufgabenstellung“ hervorgebracht!

Wenn ich aus einem Ferrari sämtliche elektronischen Steuer-Chips ausbaue, wird er nicht mehr anspringen, geschweige denn fahren! Kann ich deshalb aber behaupten, die Berichte über einen gewissen Herrn Benz der 1885 das erste Automobil gebaut hat wären eine Lüge, da es damals keine Steuerchips gab und diese aber, wie man am Beispiel des Ferrari sieht, unerlässlich für die Funktionalität eines Autos sind??! Der Erfinder der Dampfmaschine hat wahrscheinlich (noch) nicht konkret an dampfkraftbetriebene Fahrzeuge und die Erfinder des Computerchips (noch) nicht an deren Verwendung in (damals nichtexistierenden) Handys gedacht!

Fazit: Die Kreationisten müssten nicht nur alle Bedingungen kennen, unter denen sich Leben bilden und eine bestimmte Art entwickeln kann! Sie müssten zudem beweisen, dass ausgerechnet die eingetretenen Ereignisse nicht realisierbar waren!

Ich wiederhole: Der springende Punkt ist der, dass in der Evolution keine bestimmten Entwicklungsschritte anvisiert, werden mussten! Es genügte bereits, wenn dem Organismus ein beliebiger Überlebensvorteil entstand! Ferner folgen komplexe Systemprozesse niemals völlig zufällig, sondern stehen unter dem Einfluss systemeigender Faktoren die kanalisierend und steuernd wirken! So wie ein Schneesturm aufgrund meteorologischer Bedingungen nicht überall auf dem Globus gleich (un)wahrscheinlich ist, so sind auch die Alternativen evolutionärer Ereignisse nicht gleich (un)wahrscheinlich!

Ein kreationistisches Parade-Beispiel für die angebliche totale Unwahrscheinlichkeit für evolutiven Fortschritt stellt das Enzym Cytochrom c dar! Dieses hat eine überaus wichtige Funktion in der Atmungskette!

Unter Anwendung der kreationistischen Methode, für die Wahrscheinlichkeit des Eintretens eines evolutviven Ereignisses einfach den Kehrwert der Zahl aller möglichen alternativen Ereignisse anzusetzen, ergibt sich die völlig unwahrscheinliche Zahl von 10 -44!

Es gibt aber experimentell gesicherte Laborbefunde * mit RNS – Molekülen die aufzeigen, wie relativ schnell sich aus Zufallssequenzen durch wenige Mutationen relevante Strukturen für eine Entstehung komplexer Enzyme wie die des Cytochrom C bilden!  Dies gilt sogar für spezielle, ATP-bindende Proteine, deren Bildewahrscheinlichkeit gemäß kreationistischer Hochrechnung bei 10 -60 und somit zehnbilliardenmal niedriger liegt, als jene für das Cytochrom C!

Die Ribonukleinsäure (RNS) ist als vorläufige Randnotiz ein flüchtiges Pendant zur Desoxyribonukleinsäure (DNS); ein „Zwischenspeicher“ der in den Zellen komplexer Organismen für die Umwandlung von DNA-Informationen (in Form kopierter Abschnitte aus der DNA) in Körperfunktionen zuständig ist!

Die Frage danach, wie wahrscheinlich so ein Ergebnis im Zuge einer statistischen Erhebung ist, wird durch die Tatsache, dass es nachweislich und reproduzierbar im Experiment eintritt, praktisch bedeutungslos! Außer man nimmt an, der liebe Gott setzt sich freundlicherweise mit ins Reagenzglas um diese Experimente direkt übernatürlich zu beeinflussen!

Ein weiteres Beispiel für systeminterne Eigengesetze können Konsequenzen angeführt werden, die sich für das Zusammenspiel von Strukturgenen unter dem Einfluss von Regulatorgenen ergeben!

Hierzu eine kleine Zwischenbemerkung: Bei einem Strukturgen handelt es sich um ein Gen, dessen Produkt (Proteine oder RNA) keine regulatorische Aufgabe bei der Genexpression (hier: der Ausprägung des Phänotyps) zukommt.
Ein Regulatorgen hingegen ist ein solches, dass einen Repressor (=“Schalter“) kodiert, welcher aktiv („eingeschaltet“) oder inaktiv („ausgeschaltet“) sein kann und somit ein anderes oder mehrere andere Gene kontrolliert. Ein aktiver bzw. inaktiver Schalter unterbindet bzw. erlaubt, dass die DNA-Sequenz eines unter seinem Einfluss stehenden Gens abgelesen und mittels Proteinbildung in reale Funktion umgewandelt werden kann.

Bei besagtem Zusammenspiel dieser Gen-Typen bilden sich funktionale Gen-Cluster die das Evolutionsgeschehen immer mehr dem Regime des Zufalls entreißen, weil eine Veränderung am Regulatorgen wie gesagt das Zusammenspiel der Sturkturgene gleichzeitig verändert. Die einzelnen Strukturen, die beim Aufbau der Organsysteme beteiligt sind, müssten folglich nicht mehr „warten“, bis die anderen „richtig“ mutieren. Die Loszahl der denkbaren Mutationen wird durch Kopplung verringert, so wie die Zahl möglicher Würfelkombinationen verringert wird, wenn man mehrere Würfel miteinander verklebt.

Im Falle der Furchtfliege (Drosophila) hat man zwischenzeitlich 2500 Gene identifiziert, die unter der Kontrolle eines einzigen Regulatorgens („Pax6-Gen“) ausgeprägt werden.

EVOLUTIONSBIOLOGIE – GEISTESWISSENSCHAFT STATT NATURWISSENSCHAFT?!

Evolutionskritiker bemühen sich den Eindruck zu erwecken, die Evolutionstheorie sei ein abstraktes Gebilde mit metaphysischen, philosophischen und ideologischen Grundlagen und Inhalten, das sich jeglicher experimentellen Überprüfbarkeit entziehen würde! Daher sei sie dem Schöpfungsglauben nicht vorzuziehen, da beide nicht methodisch „bewiesen“ werden können!

Gegenargument::

„…Evolutionsexperimente mit freilebenden Birkenspanner- und Guppy-Populationen haben gezeigt, dass die Bildung von Varietäten innerhalb einer Spezies rasch verlaufen und unter geeigneten Bedingungen mitverfolgt werden kann. Die Entstehung neuer Arten wurde bei Blütenpflanzen (Z.B. bei der Gattung Bocksbart, Tragopogon) im Detail experimentell analysiert (….). Das Argument der Evolutionsgegner, „kein Mensch habe jemals mitverfolgt, wie eine neue Art entstanden ist“ konnte durch diese Befunde widerlegt werden…“

siehe „Evolutionsbiologie“ von U.Kutschera S. 224

Die zitierte Quelle nennt noch weitere Gegenargumente zu diesem Punkt, u.a. experimentelle Ergebnisse mit (im Labor) evolvierten Bakterienstämmen mit objektiv gesteigerten Fitness-Merkmalen.  Ebenso wird auf ein Experiment mit sich selbst vermehrenden Ribonucleinsäure – Molekülen bezuggenommen, dessen Ergebnisse die Wirksamkeit des Selektionsprinzips (Überleben der Variante mit der höchsten Reproduktionsrate) auf subzellulärem Niveau eindeutig bestätigt.

Die Kreationisten wenden mitunter ein, dass eine Höherentwicklung vom Bakterium zum mehrzelligen Lebewesen doch eigentlich experimentell festgestellt werden müsste, wenn ein solcher Sprung möglich wäre. Nach Befundlage der Wissenschaft (u.a. anhand fossiler Mikroben) hat sich dieser Sprung tatsächlich zu Beginn des Kambriums ereignet. Das dergleichen im Reagenzglas nicht geschieht, könnte schlichtweg damit zu tun haben, dass sich zum einen derartige Entwicklungsschritte über Jahrmillionen hinziehen (wer hat schon so viel Zeit zum Beobachten?) und zum Anderen unter den begrenzten Laborbedingungen (z.B. in Bezug auf die Volumenverhältnisse betreffender chemischer Gemische) wichtige Evolutionsfaktoren mgl. Weise nicht im erforderlichen Maße auftreten können!

Der Vorschlag, die Mutationsrate künstlich zu erhöhen (etwa durch Radioaktivität) hilft diesbezüglich auch nicht weiter! Dann nämlich potenzieren sich schädigende Mutationen in unnatürlicher Zahl und Stärke!

Ferner muss ein weiterer bedeutsamer Umstand berücksichtigt werden:

Die Besonderheiten einzelner Arten entstanden nicht ausschließlich aus reproduzierbaren Gesetzen, sondern aus einmaligen historischen Ereignissen heraus! Niemand kann die Summe und Spezifität der Bedingungen exakt rekonstruieren oder eingrenzen, unter denen bspw. aus den ersten Urzellen heraus Mutationen zu einem komplexeren Zelltyp erfolgten!

Eine kleine Analogie hierzu: Könnte man heute die Ausgangslange des 1. Weltkrieges originalgetreu rekonstruieren, hieße das nicht, dass die Neuauflage des 1. Weltkrieges minutiös exakt so ablaufen müsste wie anno 1914! Vielleicht würde er 6 statt 4 Jahre dauern, vielleicht wären die Bündnisse anders, die Verluste höher oder geringer,.?! Vielleicht würden dieselben Befehlshaber bessere oder schlechtere Entscheidungen wie damals treffen?!

NUR NACHTEILE DURCH MUTATIONEN?!

Wir hatten das Thema schon im Zusammenhang mit dem Zufall im Evolutionsgeschehen und mit „dysfunktionalen Zwischenformen“ angesprochen. Da es sich aber um einen sehr wichtigen kreationistischen Einwand handelt, möchte ich ein paar kurze, gesonderte Absätze hierzu anführen:

Die Kreationisten behaupten, wie bereits zu Genüge erläutert, dass zufällige Veränderungen notwendiger Weise schädigend sein! Ferner verweisen sie auf durch Menschenhand hingezüchtete Lebewesen, die zwar funktionsfähig verändert sind, offenbar aber nicht mehr in der freien Wildbahn überleben könnten! Ein Mops (eine kleinwüchsige, verfettete Hunderasse) bspw. wäre wohl kaum fähig, sich in der freien Wildbahn zu behaupten! Aber auch viele unserer auf Ertrag hingezüchteten Kulturpflanzen (z.B. Zuckerrüben) bedürfen einer künstlichen Fürsorge, ohne die sie nicht mehr selbständig überleben könnten! Man muss sie entweder kräftig düngen, sie mechanisch abstützen oder sonstige Maßnahmen treffen.

  1. Kutschera schreibt hierzu:

„…. In der Tat bringen viele spontane Änderungen in der Erbinformation keinen Selektionsvorteil (s. z.B. die genetisch bedingten Krankheiten des Menschen). Allerdings kennen wir zahlreiche Experimente, die gezeigt haben, dass „adaptive Mutationen“ gegenüber dem Wildtyp einen Selektionsvorteil liefern können (Mutante wächst rascher als Urform – s. Bakterien- und In-vitro-Evolutionsexperimente (…..)“

„…..Als Beispiel von praktischer Bedeutung soll die Antibiotika- Resistenz humanpathogener Mikroorganismen genannt werden. Zahlreiche Bakterienstämme, die beim Menschen bestimmte Krankheiten auslösen können, sind nach Mutation in der Lage, in Anwesenheit eines Antibiotikums zu wachsen. Unter denselben Umweltbedingungen stirbt der Wildtyp (nicht-mutierte Vorläuferform) infolge der Wirkung des eingesetzten Chemotherapeutikums ab. Diese auf Mutation/Selektion basierende rasche Bakterien­evolution ist in Krankenhäusern zu einem großen Problem geworden. (……….)hatten wir als einen „Motor“ in der Evolution der Blütenpflanzen die Polyploidisierung kennengelernt. Diese Genom-Mutation (Vervielfachung des Chromosomensatzes) hat zur phylogenetischen Entwicklung zahlreicher Angiospermenspezies geführt (sympatrische Artbildung)….“

siehe Evolutionsbiologie von U. Kutschera S. 227

Es gibt auch beim Menschen überaus konkrete Beispiele für vorteilhafte Mutationen:
Der finnische Langläufer Eero Mantyrant erbrachte in den 1960er Jahren ungeachtet seiner geringen Körpergröße von 1,68 Metern spektakuläre sportliche Leistungen! Jahrzehnte später lüfteten Forscher sein Geheimnis: Er weist eine seltene Genmutation auf, durch die seine Andockstellen für das Hormon Erythropoetin (Epo) verändert sind! So kann sein Körper sehr viel mehr rote Blutkörperchen erzeugen, die seine Muskeln wesentlich effektiver mit Sauerstoff versorgen! Auch als Urzeitmensch hätte er, wie man sich unschwer vorstellen kann, von dieser speziellen Genvariante stark profitiert, etwa im Zusammenhang mit der Jagd.

Manch einen Leser wird der Begriff EPO buchstäblich ins Gesicht gesprungen sein?! Ja- ganz genau, dass ist das Zeug von dem man mittlerweile weiß, dass es von vielen Tour- de- France- Teilnehmern missbräuchlich eingesetzt wurde! Während sich aber ein gesunder Mensch durch Epo-Doping in Lebensgefahr bringen kann (Verklebung der roten Blutplättchen, lebensbedrohlicher Abfall des Ruhepulses im Schlaf, u.a.) hatte der finnische Mutant keinerlei Probleme damit! Die Substanz wurde von seinem eigenen Körper erhöht hergestellt und seine Organsysteme waren an diesen von Geburt an bestehenden Umstand eingestellt!

Ein weiteres Beispiel für vorteilhafte Mutationen:

Der HIV (AIDS) – und der Vogelgrippevirus sind mittlerweile gängige Begriffe! Beide Viren haben sich bereits oftmals verändert und mehrere, im Vergleich zur Ausgangsvariante „optimierte“ Varianten entwickelt! Erst im Jahr 2007 wurde eine „West-Variante“ des Vogelgrippe-Virus entdeckt, die sich erheblich von seiner asiatischen Vorläufervariante unterscheidet und Säugetiere viel leichter infizieren kann. Man fand hingegen jedoch keine „kaputten“ Viren die sich in einem – wie auch immer denkbaren- dysfunktionalen  (halbfertig umgebauten) Zustand befanden!

Abschließend möchte ich noch ein weiteres allgemeines Beispiel aus dem nicht-einzelligem Lebensbereich einbringen! Ich muss aber erläuternd dazu sagen, dass es sich bei folgend dargestelltem Sachverhalt um eine in der Fachwelt diskutierte Hypothese, jedoch (vielleicht bis auf Weiteres?) um keine offizielle wissenschaftliche Theorie handelt!

Der genetische Unterschied zwischen Mensch und Schimpanse ist erwiesener Maßen sehr gering! Der Hauptunterschied besteht mitnichten im Vorhandensein weitgehend verschiedener Gene, sondern in der Aktivität bzw. Inaktivität der weitgehend gleichermaßen vorhandener Gene!

Beim Menschen sind manche Gene „ausgeschaltet“, die beim Schimpansen aktiv bzw. „eingeschaltet“ sind! Dies geschieht nebenbei bemerkt über sog. „Rezeptoren“ die ihrerseits über ein „Regulatorgen“ gesteuert werden und die dazu befähigt sind, Abschnitte der DNA und somit Gene zu blockieren, so dass die betreffende Information nicht abgelesen und umgesetzt werden kann! Ein konkretes Beispiel: Das Gen MYH16. Dieses Gen haben Mensch und Schimpanse (bzw. Mensch und Affe) gemeinsam!  Bei den Affen ist es aktiv und produziert ein Protein, dass zwischen Schädel und Kiefer zwei extra starke Kaumuskeln wachsen lässt! Deshalb kann ein Schimpanse auch etwa zehn Mal so stark zubeißen wie ein Mensch! Uns Menschen fehlen nämlich diese Muskeln infolge eines inaktiven MYH16-Gens! Möglicherweise hat ausgerechnet dieser Umstand dazu beigetragen, dass sich unsere Stirn in die Höhe auswachsen und einem größeren Gehirn Platz bieten konnte?! Bei den Schimpansen hingegen schnürt die Kontraktionsspannung dieser Muskeln die Stirn ein und begünstigt somit deren flache und einengende Wölbung?! Während der frühkindlichen Entwicklung sind nämlich die Knochen bedeutsam weicher und könnten vielleicht durch die ständige Aktion dieses Muskels (Kauen muss man ja schließlich nicht gerade selten) den genannten Effekt hervorgerufen haben?!

Die affentypische Flachstirn (im Bild ein Menschenaffenschädel mit einer nicht mehr ganz so flachen Stirn wie bspw. der eines Schimpansen) könnte indirekt durch das beim Affen aktive MYH16 -Gen mitbedingt sein.

Die menschentypische Hochstirn könnte indirekt durch das beim Menschen inaktive MYH16 -Gen mitbedingt sein.

KEINE FOSSILEN BELEGE FÜR DIE EVOLUTIONSTHEORIE ?!

Die Kreationisten behaupten es gäbe keine fossilen Belege für eine Makroevolution, also keine Fossilien von Übergangsformen!

Hierzu einige Original-Abschnitte aus „Evolutionsbiologie“ v.U.Kutschera:

GEGENARGUMENT:

„Diese Behauptung ist sachlich falsch. Zahlreiche Fossilienfunde belegen evolutive Übergänge, etwa im Bereich Fische/Amphibien (z.B. Ichtyostega), Reptilien/Säuger (z.B. Cynognathus) und Reptilien/Vögel (z.B. Archaeopterix). Grundsätzlich muss zu diesem Punkt gesagt werden, dass die Unvollständigkeit vieler Fossilreihen und somit das Fehlen mancher Zwischenformen in der „Natur der Sache“ liegt. Nur ein Bruchteil der hartschaligen Tiere (und Pflanzen), die jemals gelebt haben, sind durch einen Zufall zu einem Fossil geworden; diese wenigen Lebensspuren wurden Jahrmillionen späten entdeckt, ausgegraben und rekonstruiert. Wir können aufgrund dieser Fakten keine Vollständigkeit in den fossilen Überlieferungen erwarten.“

siehe „Evolutionsbiologie“ von U. Kutschera S. 225

Man muß bedenken:
Erstens: Die Evolution ist nichts kontinuierlich Fließendes! Wir haben bereits erfahren das sich Evolutionsprozesse in Abhängigkeit zu diversen „Evolutionsfaktoren“ befinden und je nach Präsenz derselben in unterschiedlichen Stärken und Richtungen verlaufen! Die Evolution hat in manchen Phasen regelrechte Sprünge vollzogen während innerhalb anderer Zeiträume so gut wie nichts passiert ist!

Als Paradebeispiel können wir die zeitliche Übergangsphase vom Präkambrium zum Kambrium betrachten. Während im Präkambrium (hiermit bezeichnet man den 4 Milliarden Jahre umfassenden Zeitraum seit Entstehung der Erde bis zum Beginn des Kambriums) ausschließlich Bakterien und andere EINZELLER gelebt haben, treten im Kambrium (Beginn: vor 542 Millionen Jahre, Ende: vor 488 Millionen Jahre) -scheinbar Knall auf Fall- eine ganze Reihe an Mehrzellern in Erscheinung (belegbar anhand fossiler Gesteinsproben)! Der Kreationist Fritz Poppenberg greift diesen Sachverhalt in seinem Film „Hat die Bibel doch recht“ auf und sieht an diesem Punkt einen Schöpfer-Gott in der Suppe rühren.

Für diese „kambrische Explosion“ bzw. den Umstand, dass man aus der Zeit davor nur wenige, aus der Zeit danach hingegen „sehr viele“ Fossilien findet, gibt es aber durchaus natürliche und plausible Erklärungen, von denen ich hier einige vorstellen möchte: Es gab (wenige) Mehrzeller während des Präkambriums, allerdings besaßen sie keinerlei Hartteile und kein Skelett, was eine Fossilbildung (die ja ohnehin schon sehr zufallsbedingt ist) noch viel unwahrscheinlicher macht! Dennoch existieren allen Behauptungen der Kreationisten zum Trotz einige dokumentierte Vorläufer-und Übergangsformen aus dem Bereich der präkambrischen Fauna!

Die äußerst mangelhafte Überlieferung von Tieren ohne Skelett macht das Auftreten von hartteiltragenden Tieren umso auffälliger, weil diese sich im Gegensatz zu ihren Vorläufern wesentlich besser erhalten haben.

Ferner ist es möglich, dass eine langsame Veränderung der Chemie des Meerwassers ab einem bestimmten Punkt genügend Kalziumkarbonat zum Aufbau von Schalen verfügbar machte und somit die Evolutionsprozesse neuartig kanalisiert wurden! Die erste Ausbildung von Hartteilen muss tiefgreifende Veränderungen in der Nahrungskette ausgelöst haben die zu einem „Wettrüsten“ bezüglich der Ausbildung von Zähnen, Schalen und Außenskeletten führte! Ferner boten diese Hartteile die Chance, neue oder stark abgewandelte Baupläne zu erproben, die nunmehr eine Stütze hatten.

Als geologisch gesehen interessant bezeichnen die Wissenschaftler, dass gleichzeitig mit den kalkigen Außenskeletten auch kalkige Schalen entstanden.

Für die „Kambrische Explosion“ relevant dürfte auch die von manchen als global eingeschätzte Eiszeit im oberen Präkambrium gewesen sein, mit deren Ende sich zu Beginn des Kambriums eine Unzahl neuer Lebensräume aufgetan haben muss. Die Besetzung dieser freien ökologischen Nischen könnte eine relativ rasche Diversifikation zur Folge gehabt haben bei der auch neue Organe entstanden sind.

Das Problem bei archeologischen Ausgrabungen ist, dass diese Zwischenformen vergleichsweise kurz existiert haben, weshalb wesentlich weniger Funde dieser Zwischenformen bzw. „Missing Links“ gemacht wurden. Evolutive Übergangsformen existieren nur für die Dauer relativ weniger Generationenabfolgen (im Vergleich zur Vorläufer- und der neuen Art). Das mengenmäßige Erscheinen der betreffenden Lebewesen (Zugehörige einer Teilpopulation) entspricht einer Art „Flaschenhals“.  Es gibt somit auch dementsprechend weniger Individuen die zufallsbedingt zu einem Fossil hätten werden können.

EXOTISCHE KREATIONISTISCHE EINWÄNDE GEGEN FOSSILIENBELEGE

In einem pseudowissenschaftlichen kreationistischen Film wird der historische, aber zwischenzeitlich mehrfach gelungene Fund eines als „Urvogel“ bezeichneten Archaeopterix abgewertet! Dieses Fossil repräsentiert eine Übergangsform zwischen Reptil und Vogel! Vorhandene Zähne, ein Knochenschwanz, drei Krallen und ein sehr kurzes Brustbein sind eindeutige Reptilienmerkmale, während u.a. Federn, hohle Knochen und ein Schnabel ebenso eindeutige Vogelmerkmale sind!

In besagtem kreationistischen Film wird ein sog. „Wehrvogel“ gezeigt, eine heute noch lebende Vogelart mit einem besonderen äußeren Merkmal: An seinen beiden Flügelspitzen befindet sich eine Art „Dorne“ oder Krallenspitze. Niemand bezweifelt, dass der Wehrvogel trotz dieser seltsamen Spitze ein Vogel ist!

So wie dieser also einem Vogel mit einem besonderen (Reptilien)merkmal entspricht, so sei auch der Archaeopterix angeblich mitnichten irgendeine Übergangsform, sondern ebenfalls ein Vogel mit ein paar atypischen Merkmalen!

Es ist aber schon ein Unterschied, ob abweichende Merkmale innerhalb des Spektrums gattungsspezifischer Parameter liegen oder nicht!

Die äußeren Merkmalsunterschiede zwischen einem Wal und einem Hai sind sicher geringer als zwischen einem Wal und einer Kuh! Aber der springende Punkt ist: Sowohl Wal als auch Kuh sind lungenatmende Säugetiere und miteinander weitaus näher verwandt als mit irgendwelchen Fischen!

Wenn ich mich einer derart plausiblen Kategorienbildung verweigere, gibt es keinerlei Grenzen für semantische Spielchen! Dann kann ich auch sagen, ein Auto sei kein Auto, sondern ein Motorrad mit 4 Rädern oder ein Hubschrauber sei kein Hubschrauber, sondern eine Lokomotive die eben nicht auf Schienen fährt, sondern mit ihren Rotorflügeln (besonderes Merkmal) fliegt!

 KEINE LEBENDEN ZWISCHENFORMEN?!

Ein weiterer kreationistischer Einwand besagt, es gäbe keine lebenden (rezenten) Übergangsformen zwischen einzelnen Organismengruppen, d. h. wir können in der Natur nur lauter „Grundtypen“ oder „Schöpfungseinheiten“ erkennen.

Auch hierzu zitiere ich einige Gegenargumente aus „Evolutionsbiologie“ von U. Kutschera :

„Gegenargument:
Diese Behauptung basiert auf Unkenntnis der Fachliteratur. (….) wurde im Detail die Protoeucyte Giardia vorgestellt. Dieser einzellige Organismus repräsentiert, wie auch andere Vertreter der Archaezoa, eine Zwischenform zur echten (Mitochondrien enthaltenden) Eucyte (…..) wurden rezente Übergangsformen (Bauplanmischtypen) zwischen Wenigborstern (Oligochaeta) und Egeln (Hirudinea) sowie zwischen Ringelwürmern (Annelida) und Gliederfüßern (Arthropoda) diskutiert (Agriodrilus, Acanthobdella, Pcripatus, s. S. 161)…“

siehe „Evolutionsbiologie“ von U. Kutschera S.225 ff

Kleine Zwischenbemerkung: Man unterschiedet 3 sog. DOMÄNEN (=höchste Klassifizierungsebene von Lebewesen):
ARCHAEA : Hierunter fallen die Protocyten (Urbakterien). Das sind Einzeller ohne Zellkern, Membran und Organellen.

BACTERIA: „Echte Bakterien“: Etwas komplexere Einzeller aber ebenfalls ohne Kern und Membran.

EUKARYA: Eukaryonten, d.h. Lebewesen mit „echten“ Zellen.

„….Als besonders eindrucksvolle  Belege für evolutive Übergänge sollen an dieser Stelle die rudimentären (funktionslosen) Organe genannt werden. Als Beispiel betrachten wir die Säugerordnung der Wale (Cetacea). Nach R. L. Garnoll (1997) konnte durch Fossilfunde eindeutig belegt werden, dass diese Meerestiere von urtümlichen Landsäugern abstammen. Die fischförmigen, vollständig an das Wasser angepaßten Mammalia haben Vorder-, jedoch keine äußerlichen Hinterextremitäten. Allerdings sind im Körperinnern der Wale Knochenrudimente zu finden, die als funktionslose Restorgane zu interpretieren und nur historisch (phylogenetisch) zu verstehen sind….“

„Ein Beispiel aus dem Pflanzenbereich soll unsere Argumentation abrunden. Wie (….) dargelegt wurde, repräsentiert die Maispflanze als Vertreter des hocheffizienten „C4-Photosynthesetyps“ einen derzeitigen Endpunkt in der Evolution der Blütenpflanzen. Die Gruppen der C3- und C4-Pflanzen sind jedoch keine separat geschaffenen „Photosynthese- Grundtypen“. Wir kennen eine Reihe verschiedener rezenter Pflanzenarten, die als C3-/C4-Mischtypen erkannt wurden und somit lebende Zwischenformen repräsentieren (z.B. Vertreter der Gattungen Panicum und Flaveria) ……..“

 siehe „Evolutionsbiologie“ von U. Kutschera S. 225ff.

Kurze Anmerkung zu „C3- und C4- Photosynthesetypen“: Höhere Pflanzen unterscheidet man nach ihrem physiologisch-anatomischen Photosynthesetyp, da diese unterschiedliche Photosynthesewege und eine dafür typische Blattarchitektur aufweisen.

LEBENDE FOSSILIEN – EIN BEWEIß GEGEN DIE EVOLUTION?!

Die Kreationisten weisen auf die Exisitenz sog. „lebender Fossilien“ wie etwa den Quanstenflosser oder auf sehr „alte“ Lebensformen wie Krokodile und Haie hin, die sich seit Urzeiten nicht oder kaum verändert haben! Aber hätten sie das im Zuge der Evolution nicht tun müssen?! Aus dem bisher gesagten lassen sich bereits Antworten darauf formulieren! In diesen konkreten Fällen haben keine konkreten Evolutionsfaktoren im Sinne einer räumlichen Isolation in Verbindung mit sich ändernden Umweltbedingungen und einer damit einhergehenden disruptiven oder direktionalen Selektion gegriffen (siehe Ausführungen an entsprechenden Stellen oben)!

Dennoch möchte ich auch hierzu weitere konkrete Aussagen aus „Evolutionsbiologie“ von U. Kutschera anführen:

„Im Jahr 1938 wurde an der Küste von Südafrika ein 1,5 m langer, blaugefärbter Fisch gefangen, der einer Wirbeltiergruppe angehört, die vor 80 Millionen Jahren ausgestorben ist (Coelacanthidae). Es ist seit langem bekannt, dass der letzte fossil erhaltene Coelacanth aus Felsgesteinen der Kreidezeit stammt. Der  rezente Quastenflosser (Latimeria chalumnae) ist ein naher Fischverwandter der terrestrischen Tetrapoda (Vierfüßer) und daher möglicherweise als eine aus der Urzeit übrig gebliebene Zwischenform von Wasser-/Landwirbeltieren von großer Bedeutung. Man fragt nun, warum denn bei diesem lebenden Fossil keine Selektion durch die Umwelt stattgefunden hat, wenn doch der Artenwandel seiner Zeitgenossen, die im selben Habitat lebten, mit der Adaptation an die sich ändernden Umweltverhältnisse begründet werde. Ist der „Urfisch“ etwa ein Beweis gegen die Evolution?…“

GEGENARGUMENT:

„……………dass die Evolution einiger Tiergruppen nicht graduell, sondern in Sprüngen verlaufen ist: Perioden relativer Artenkonstanz wechseln mit Epochen einer raschen Speziation ab. So kam es z. B. in der Epoche vor 580-550 Millionen Jahren in den Meeren zur Entwicklung einer reichhaltigen Ediacara-Fauna. Die meisten Organismen dieses Zeitalters sind vor Beginn des Kambriums wieder ausgestorben. Einige Paläobiologen vertreten die Ansicht, dass die Ursachen des Aussterbens mancher Organismengruppen weitgehend unbekannt sind und daher noch kontrovers diskutiert werden. Zur Frage, warum   beim Quastenflosser Latimeria die Evolution seit etwa 80 Millionen Jahren fast völlig stillsteht, gibt es mehrere Hypothesen, ……….. “

„Offensichtlich hat dieser in idealer Weise an seine Umwelt angepaßte nachtaktive Höhlenbewohner niemals seine ökologische Nische verlassen und konnte daher die Jahrmillionen fast unverändert überdauern. Dieses lebende Fossil  ist nahe mit den Urfischen verwandt, deren Nachkommen im späten Devon (vor etwa 350 Millionen Jahren) innerhalb relativ kurzer Zeit (9-14 Millionen Jahre) als amphibische Vierfüßer (Tetrapoda) das Land eroberten……“

siehe „Evolutionbiologie“ v. U. Kutschera S. 219

KEINE NEUEN GENE? – DAS „C-PARADOX“

Ein weiterer kreationistischer Einwand besteht in der Aussage, niemand hätte jemals die Entstehung eines völlig neuen Genes beobachtet!

Hierzu folgendes: Wer heute, nach unzähligen Generationenabfolgen in der Entwicklungsgeschichte einer jeden noch existierenden Lebensform die Entstehung eines völlig neuartigen Gens sehen will, erwartet mächtig viel!

Die Natur an sich ist sparsam mit Innovationen! Altbewährtes wird immer und immer wieder eingesetzt, zwar erweitert und funktional anderweitig verknüpft, aber im Kern sind sich viele Dinge sehr ähnlich!

Man könnte hier eine lange Liste an „universellen“ Grundprinzipien und Gemeinsamkeiten aller Lebewesen anführen!

Werfen wir aber in diesem Zusammenhang einen Blick auf das sog.

C-PARADOX

Der Vergleich der Genom-Größe mit der Komplexität und des Organisationsgrades des Organismus ergibt keinen direkten Zusammenhang: Die Größe des Genoms hat nichts mit der Komplexität von Organismen zu tun. Diese Tatsache wird auch C-Wert-Paradox genannt (C-Wert bezeichnet auch die Genomgröße)“.

Die höchste DNA-Menge weisen einfache Eukaryoten wie einige Amöben und die Urfarne (Psilopsida) mit rund einer Billion Basenpaare auf. Der Mensch besitzt mit 3,3Milliarden Basenpaaren weniger als ein Prozent dieser DNA-Menge.

Ferner weist die Genomgröße verschiedener Lebensformen oft unwahrscheinlich ähnliche Relationen auf! Die Maus hat bereits etwa um die 25.000 Gene, der Mensch hingegen etwa 33.000. Rein intuitiv möchte man glauben, der Mensch müsse doch lässig 1.000 mal mehr Gene als eine Maus haben?! Oder sehen wir uns den Vergleich Mensch-Schimpanse an: Die genetische Übereinstimmung liegt bei über 96% ! Der Unterschied zwischen Mensch und Schimpanse liegt also mitnichten in der Art ihrer jeweiligen Gene begründet, sondern, vorrangig in deren jeweiliger (In)aktivität! Gene können nämlich tatsächlich durch sog. „Repressoren“ ein- und ausgeschaltet sein. Ein aktiver Repressor blockiert einen bestimmten Abschnitt der DNA und verhindert somit, dass er abgelesen und in eine reale Funktion umgewandelt wird.

Der Umstand der universellen Ähnlichkeit aller Genome untermauert die Evolutionstheorie gewaltig!

Aber nicht nur die Genome, vielmehr die Lebensprozesse (Stoffwechselfunktionen u.a.) an sich sind hochgradig universell! Denken wir z.B. an den universellen Energieträger in Zellen- das Enzym ATP!

„…..Der Grundstoffwechsel von Mensch und Banane ist zu 50% identisch. Wir haben also zur Hälfte die Banane in den Genen……“

Dr. Uwe Hoßfeld, Wissenschaftshistoriker an der Universität Jena

ALTERNATIVES SPLEIßEN

Der mit diesem Begriff bezeichnete Vorgang erklärt, wie „neue Funktionen“ auch ohne völlig neue Gene möglich sind und warum im Evolutionsprozess Gene nicht wie am Fließband entwickelt werden mussten!

Wir wissen das sich die DNA aus lauter Nucleotidbasen zusammensetzt. Immer drei aufeinander folgende Buchstaben (Basen) innerhalb der DNA bilden ein Wort, eine kleinste Informationseinheit – im Fachausdruck CODON genannt!  In der Gesamtmenge der DNA gibt es sowohl kodierende (Gene) als auch nicht kodierende Sequenzen!

Und selbst innerhalb eines einzelnen Gens ist „unbrauchbare“ Information vorhanden! Die sinnvollen oder codierenden Abschnitte eines Gens nennt man EXON, die nicht kodierenden Abschnitte innerhalb eines Gens nennt man INTRON!

Nun stellt sich die Frage, wie die genetische Information abgelesen und in reale Funktionen (zumeist über Proteinbildung) umgewandelt werden kann!

Ich mache es so kurz wie möglich:
Den Prozess bezeichnet man als Proteinbiosynthese. Es handelt sich um einen hochgradig komplexen zellulären Vorgang! In der Zelle gibt es sog. „Ribosomen“, das sind Zellorganellen. Eine Organelle entspricht im Bezug zur Zelle dem, was ein Organ im Bezug zum Körper entspricht! Diese Ribosomen stellen Ribonukleinsäuresequenzen (RNA) her. Ein solcher RNA-Abschnitt wandert dann zum Zellkern, dockt an die DNA an und kopiert einen Abschnitt daraus. Man spricht hier auch von Boten- oder Messenger-RNA (mRNA). Mit dieser Kopie passiert aber im Zellkern noch etwas! Introns und Extrons werden „zurechtgestutzt“. Diese „Aufbereitung“ der Rohinformation entspricht dem Spleißen! Nachdem dies geschehen ist, verlässt die RNA-Sequenz den Zellkern um zum Ribosom zurückzukehren. Man spricht nun von Boten- oder Transport-RNA (tRNA). Im Ribosom wird nun ein Protein gemäß der kopierten Bauanleitung hergestellt und seiner Funktion im Körper übergeben! Die beteiligte RNA-Sequenz wird anschließend im Ribosom wieder abgebaut!

Beim alternativen Splicing entscheidet sich erst während des Spleißvorganges, welche DNA-Sequenzen Introns und welche Exons sind. Somit können von einem einzelnen Gen verschiedene Proteine hergestellt und verschiedene Funktionen ausgeübt werden!

Innerhalb des Evolutionsgeschehens hatte das Alternative Splicing nach Ansicht zahlreicher Wissenschaftler eine enorm hohe Bedeutung!

So liegt etwa die Wahrscheinlichkeit, dass ein durch alternatives Splicing neu entstandenes Protein funktionsfähig ist, höher als bei einem durch Mutation der codierenden DNA-Sequenz entstandenen neuen Protein. Jedes auf diese Weise im Rahmen der Evolution entstehende Protein enthält zumindest mehrere bereits in anderen Proteinen funktionierende Aminosäure-Sequenzen.

Man kann feststellen: der von den Kreationisten vorgetragene Einwand, man hätte nie die Entstehung eines neuen Gens beobachtet, ist obsolet! Nach hunderten Millionen Jahren Evolution (seit Entstehung des Lebens) ist die (weitere) Neu-Entstehung von Genen gleichermaßen unwahrscheinlich wie überflüssig, da die Natur für jegliche zelluläre und biochemische Aufgabe, die es in (einem beliebigen) Lebewesen zu bewältigen gilt, bereits eine Reihe an alternierenden Lösungen entworfen hat. Insbesondere der soeben beschriebene Vorgang des alternativen Splicings ist ein an sich ökonomischer und sinnvoller Ersatz für den Entwurf neuer Gene.

 Schlusswort:

Das Ziel der vorliegenden Abhandlung besteht darin, die kreationistischen Einwände gegen die Evolutionstheorie, zumindest jedenfalls deren (pseudo-)wissenschaftlichen Anstrich, in möglichst kurzer Form und allgemeinverständlicher Sprache zurückzuweisen. Der Leser, dem die hier vorliegenden Ausführungen in welchem Sinn auch immer unzulänglich erscheinen, möge sich bewogen fühlen, sich mit einschlägiger Literatur zu befassen, um sich ggf. dem naturwissenschaftlichen Standpunkt anschließen zu können.

Wir leben in Zeiten, in denen „gefühlte“ Wahrheiten, „alternative Fakten“, Desinformation, Propaganda, mediale Manipulationen (mit und ohne KI-Unterstützung), Verschwörungstheorien und dgl. leider sehr hoch im Kurs stehen!

Es könnte für uns alle langfristig von Nachteil sein, wenn sich die Menschen zunehmend auf intuitiver Grundlage über emotional aufgeladene Narrative in geistige Sackgassen führen lassen und ihre Bemühungen um ein tieferes Verständnis der Dinge einstellen!